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Ist das Medium Buch noch zu retten? Ist gar die deutsche Sprache schon verloren? Diese Fragen
stellen Kulturpessimisten gerne und oft. Dieter E. Zimmer ist kein Kulturpessimist. Er beschäftigt
sich mit der deutschen Sprache und dem Medium Buch auf Sachbuchlich-aufklärerischer Weise.
Immer mehr Begriffe aus dem Englischen gelangen ins Deutsche, vor allem aus den Bereichen Pop,
Sport und Computer. Die deutsche Sprache ist diejenige europäische Sprache, welche die wenigsten
Computer-Fachbegriffe übersetzt hat. Termini wie "Workstation",
"Toner" oder "Notebook" wurden einfach übernommen,
übertragungen wie "Schnittstelle" statt "Interface" sind
selten. Der "neuen" Sprache begegnet man an jeder Straßenecke: vom
"Telebanking" über die "EuroCard" bis zum "Intercity". Zimmer geht
davon aus, daß man die Sprache Schopenhauers, Brechts oder Enzensbergers in einigen Jahrzehnten nur
noch ungefähr verstehen wird, daß sich deutsche Sprache massiv wandelt, ohne jedoch gänzlich
unterzugehen.
Das Medium Buch, so Zimmer, verschwindet genauso wenig wie die deutsche Sprache, im Gegenteil, es
wird immer mehr gelesen. Genauer betrachtet stellt sich jedoch heraus, daß unsere Gesellschaft
dreigeteilt ist: In ein Drittel, das Zeitungen mit großen überschriften und Gameshows konsumiert,
in ein Drittel, das alle Medien, einschließlich Bücher, immer häufiger und immer intensiver nutzt,
gut gebildet und informiert ist und in ein Drittel, das mäßig informiert bzw. interessiert ist. Daß
es das zweitgenannte Drittel ist, welches die gutbezahlten Berufe ausübt, liegt auf der Hand.
In den zeitgenössischen Sprachgebrauch haben sich zahlreiche Unsitten eingeschlichen. Zimmer
entlarvt sie auf amüsante Weise und nicht immer "politisch korrekt", dann z.B., wenn er
sich dem Unfug widmet, welchen Feministinnen eingebracht haben. Er nennt die Erfindung der
"Schirmfrauschaft" oder "verschwestern" statt
"versöhnen", was auf völlige Unkenntnis von Etymologie schließen läßt.
Ein Buch über Sprache stellt man sich gemeinhin langweilig vor. Dieter E. Zimmers "Deutsch
und anders" versammelt jedoch mehr als ein Dutzend höchst vergnüglicher und auch
polemischer Aufsätze über den Zustand der deutschen Sprache. Einige Beiträge sind ihm zu lang
geraten, der vielleicht aktuellste, nämlich "über die miniaturisierte Reform der deutschen
Rechtschreibung", dagegen mit fünf Seiten etwas sehr kurz.
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Dieter E. Zimmer. Deutsch und anders
Sachbuch. Rowohlt, 384 Seiten.
ISBN: 3-498-07661-2
© Matthias Kehle
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