Joachim Zelter

Das Gesicht. Roman eines Schriftstellers.

Wenn Schriftsteller keine Ideen mehr haben, schreiben sie über ihren Beruf. Das ist meist wenig unterhaltsam. Ganz anders bei Joachim Zelter. "Das Gesicht", der vierte Roman des Tübinger Autors, erzählt die Geschichte eines Mannes, der vom Arbeitsamt eine Existenzgründung verordnet bekommt. Aus unerfindlichen Gründen kommt er auf die Idee, sich als Schriftsteller selbstständig zu machen, doch daran scheitert er kläglich, weil ein Verlag ihn entdeckt. Richtig gelesen: Der Verlag entdeckt nämlich, dass das Gesicht des angehenden Autors verblüffend einer verstorbenen Schriftstellergröße des Hauses ähnelt, ein Autor, der zu Lebzeiten wohl so berühmt war wie Günter Grass und Dieter Bohlen zusammen. Der Inhaber dieses Gesichts wird alsbald mit einem unsäglich langweiligen und monströsen Buch auf Tournee geschickt. Joachim Zelters Roman parodiert nicht nur eine total kommerzialisierte Buchbranche. Egal, wo sich der Protagonist befindet: Er erlebt stets die perfekte Parodie, sei es in der Wohnung eines weiblichen Fans, sei es im Arbeitsamt oder bei einer Lesung. Die Abenteuer des Autors in der Residenz des Verlags erinnern ein wenig an Kafka, doch der Humor des Thaddäus-Troll-Preisträgers ist britisch-unterkühlt und sein Protagonist übt sich beständig in sympathischem Understatement. "Das Gesicht" ist also alles andere als ein Verlegenheitsbuch eines Schriftstellers, dem nichts Besseres eingefallen ist.

 

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Joachim Zelter: Das Gesicht. Roman eines Schriftstellers.
Klöpfer & Meyer, 220 Seiten, 19,50 Euro.

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