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Jungautoren sind gefragt wie nie zuvor, vor allem Autorinnen, und so gab es eine Weile eine
Schwemme von "Girlie-Literatur". Der Debutroman der 27-jährigen Juli Zeh fällt aus dem
Rahmen der unbeschwerten Erstlinge junger Frauen, denn es ist ein monumentaler, sinnlicher und
poetischer Roman, so düster und irritierend er auch ist.
Max - Mitte 30 - wartet auf den Tod: Er versucht mittels Drogen und Alkohol seinen Körper zu
ruinieren. Aus Langeweile ruft er bei einer Radiosendung an, deren Moderatorin Clara Menschen mit
außergewöhnlichen Geschichten sucht. Max kommt auf Sendung, und kurz darauf steht Clara vor seiner
Tür, denn der ehemalige Starjurist hat eine Menge zu erzählen. Die abgebrühte Psychologiestudentin
und Moderatorin nimmt Max als Studienobjekt und zeichnet seine Geschichte auf, die Geschichte eines
jungen Mannes, dessen Freundin sich erschossen hat, während sie mit ihm telefonierte. Jessie war
die Tochter eines mächtigen Drogenbosses, der im Bosnienkrieg seine Geschäfte machte und mit
Max' ehemaligem Chef Rufus befreundet war. Dieser wiederum arbeitet in Wien für die UNO
Resolutionen und Verträge aus, steuerte unter anderem den Balkankrieg und die Drogengeschäfte, ohne
dass sein Angestellter Max wusste, dass er selbst an den Strängen der Weltpolitik zieht.
Juli Zeh hat Europa- und Völkerrecht studiert und sich einen gewaltigen Stoff gewählt. Völkermord,
Vergewaltigung, Drogengeschäfte - daran zerbrechen Jessie und Max, und Clara zeichnet die
Geschichte auf. Spannend und detailreich erzählt Juli Zeh die haarsträubende Geschichte, so
detailreich, dass man geneigt ist zu glauben, sie wolle damit den Wahrheitsgehalt ihres Stoffes
unterstreichen. So bestand Max seine Aufnahmeprüfung bei Rufus, weil er wusste, warum die deutsche
Politik in vielen Fragen den Interessen Ghanas nahe steht: "Das liegt an der
alphabetischen Sitzordnung in Versammlungen und Arbeitsgruppen der internationalen
Organisationen... Germany sitzt immer neben Ghana..., so dass die Delegierten sich persönlich
kennen. Sie leihen sich gegenseitig Stifte aus und bringen einander Kaffee."
"Adler und Engel" ist ein irritierendes Mosaik aus Anti-Beziehungsgeschichten, das ein
beschädigtes Europa der Gegenwart zeigt. Der dickleibige Krimi birgt einen Abgrund neben dem
nächsten, jeder nutzt den anderen für seine Interessen aus, für Mitleid oder gar Menschlichkeit
findet sich kaum Platz.
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Juli Zeh. Adler und Engel
Roman. Schöffling, Frankfurt am Main.
ISBN: 3-895-61054-2
© Matthias Kehle
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