Rainer Würth: Kotuku

Erzählung

Neuseeland ist der Traum vieler Trekker, Aussteiger, Abenteuerreisender und Glücksucher aus aller Welt. Es ist damit auch Schnittpunkt der verschiedensten Biografien, die sich an fremden Orten begegnen.
Der Pforzheimer Autor Rainer Würth hat in seinem zweiten Buch eine Art Puzzle zusammengesetzt aus solchen kurzen Begegnungen an einem fremden Ort, nämlich dem winzigen Kaff Kotuku und dessen Umgebung. Da ist der traumatisierte Survival-Urlauber Jonathan, der durch den Dschungel deliriert oder die Striptease-Tänzerin Emily, die sich vor einer Horde Bier trinkender Einheimischer auf einem Bretterverschlag auszieht, da sind der Polizist Raymond, zwei deutsche Mädchen, die von Freiburg und den Würstchen vor dem Münster schwärmen oder aber Greg, der sich unsterblich in Emily verliebt hat.
Äußerst knapp und lakonisch erzählt Würth kürzeste Episoden: Die Protagonisten beim Trampen, beim Pornovideo ansehen, beim Telefonieren, beim Schießen von Opossums - da ist kein Wort zuviel. Würths Schnitte sind schnell und hart, bewusst erinnern manche Szenen an Filmklassiker wie "Apocalypse now". Apokalyptisch erscheinen denn auch diese Begegnungen, denn der Tod lauert überall, vor allem auf der Straße, sei es für die allgegenwärtigen Opossums, sei es für die Menschen.
Neuseeland ist für den 36-jährigen Würth kein Traum, sondern ein Albtraum. Gewaltige Regengüsse beherrschen das Szenario ebenso wie "dunkelschwarze Wolken", die in den "Gletschern hingen, als wollten sie sie erwürgen." In "Kotuku" finden sich keine Touristenhotels, sondern herunter gekommene Spelunken. Dort wird gelebt, gelitten, getrunken, gevögelt und gestorben. Das ist mal bedrückend, mal surreal, mal komisch. Würths Erzählung schafft eine sehr eigene Welt, und der kleine Gutacher Drey-Verlag hat daraus ein wunderschönes Buch gemacht.

Rainer Würth: Kotuku. Erzählung.
110 Seiten. Drey-Verlag, Gutach, 14 Euro. ISBN 3-933765-14-5.

© Matthias Kehle

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