Der Sprengmeister Richard Recknagel ist leidenschaftlicher Flieger. Eines Tages sprengt er sich mit einer gewaltigen Detonation vor der Gaststätte seines Flugvereins in die Luft. Eine Novelle wie aus dem Lehrbuch hat der Stuttgarter Autor Rainer Wochele mit "Der Flieger" veröffentlicht. Die "unerhörte" Begebenheit des Selbstmords ist für den Erzähler Anlass, über den Menschen Recknagel zu recherieren. In kreisenden Bewegungen lotet Wochele das Leben eines Außenseiters aus. Der schräge Vogel, der stets in bayerischer Tracht und mit Barett auf dem Kopf auftrat, war in seinem Flugverein umstritten, und allmählich kommt zu Tage, dass Recknagel mittels Intrigen in den Tod getrieben wurde.
Spießig und intolerant geht es in der schwäbischen Gemeinde Friedrichsburg zu. Recknagels virtuose Flugkünste, seine Frauengeschichten, seine Alkoholexzesse und schließlich seine fragwürdige Herkunft aus einem Nazi-Kinderhort - all das passt den Vereinsoberen nicht.
So eigenwillig Recknagel ist, so eigenwillig ist Wocheles Sprache: Schillernd, Motive wiederholend, zweifelnd und insistierend. Man kann sich dem erzählerischen Sog, der mit der Explosion endet, kaum entziehen. Erst recht nicht, wenn man weiß, dass Wocheles kleiner, spannender Geniestreich auf tatsächliche Geschehnisse zurück geht.
© Matthias Kehle
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Rainer Wochele: Der Flieger. Novelle, 234 Seiten, Verlag Klöpfer & Meyer, Tübingen 2004, ISBN 3-937-66761-X