|
| |
Die "Lebenserinnerungen einer Bäuerin" sind keine verklärten Rückblicke
auf die gute alte Zeit. Anna Wimschneider erzählt in einer einfachen Sprache, die viele
Dialektausdrücke enthält. Die glückliche Kindheit ist für die Achtjährige
vorbei, als ihre Mutter im Kindbett stirbt und sie die Rolle der Hausfrau und Mutter
übernehmen muss. Eine Nachbarin bringt ihr bei, wie sie die kleinen Geschwister zu versorgen
hat, wie man flickt, wäscht und natürlich kocht.
Ihre Brüder müssen zwar auf dem Hof mitarbeiten, dürfen aber wenigstens
regelmäßig zur Schule gehen, während Anna erst die Arbeit erledigen muss: "Im
Haus das ist alles deine Arbeit, das ist Dirndlarbeit." Ihr Arbeitstag dauert von 5 Uhr
morgens bis nach Mitternacht. "Bei der Arbeit mußte ich einen Schemel mittagen, weil ich
so klein war, daß ich in keinen Topf gucken konnte". Die Autorin erzählt nicht nur
von den Mühen, den Demütigungen und Entbehrungen, sondern auch von den schönen
Kindheitserinnerungen und den Streichen, die sie auf dem Bauernhof erlebt hat.
Lichtblicke im Alltag sind die kirchlichen Feiertage. Es sind die einzigen Anlässe, zu denen
es Geschenke gibt, die selbstverständlich zweckmäßig sind, z.B. neue Kleidung oder
ein Haustier, eine Ziege oder ein Lamm, das die Kinder großziehen dürfen.
In der Schule bekommt Anna wenig mit, aufgeklärt wird sie fast gar nicht. Auf dem ersten
Fest, das sie mit 18 Jahren besuchen darf, lernt sie Albert, ihren späteren Ehemann kennen.
"Wie wir geheiratet haben, waren wir so arm, das kann sich heute niemand mehr vorstellen. Das
mußte man schon von klein an gewöhnt sein, sonst hätte man das nicht
ausgehalten."
Ihr Leben als Bäuerin, Hausfrau, Mutter, Pflegerin der alten Onkel und Tanten, die mit im Haus
leben, ist nicht weniger mühevoll. Es ist Krieg, der Mann ist an der Front und kehrt
später krank zurück. Als sie schließlich zu etwas Wohlstand kommen, wird sie
schwer krank.
Im Alter kann sie sich endlich ihren Wunsch erfüllen, ihre Geschichte aufzuschreiben.
Verblüffend ist, dass Wimschneider diese ohne jede Verbitterung schreibt, jedoch anmerkt:
"Wenn ich noch einmal zur Welt käme, eine Bäurin würde ich nicht mehr
werden."
Die Lebenserinnerungen von Anna Wimschneider sind keine Literatur. Der Erfolg des Buches und seiner
Verfilmung mag daher rühren, dass sie ein typisches Schicksal erzählt. Viele Enkel werden
sich erinnert haben an das, was ihre Großmütter berichtet haben - mal verklärt, mal
anrührend, mal naiv, mal derb.
![[Neues Fenster] Link zu Amazon Link zu Amazon](http://images-eu.amazon.com/images/P/3492207405.03.MZZZZZZZ.gif)
Anna Wimschneider. Herbstmilch
Bestseller. Piper Verlag, 152 Seiten.
ISBN: 3-492-20740-5
> |
|
|