John von Düffel

Zeit des Verschwindens

Einem Mann, der von seiner Familie getrennt lebt, fällt siedend heiß ein, dass er den Geburtstag seines kleinen Sohnes vergessen hat. Ohne ein Geschenk zu haben, rast er quer durch Deutschland, um ihn nach langer Zeit wieder einmal zu sehen. Eine Frau hat mit ihrer Schwester alles geteilt, ihr immer wieder von allem berichtet, was sie bewegt. Nur ihren Geliebten hat sie der Schwester verschwiegen, weil sie ihn für sich allein haben wollte. Ihre Schwester kam bei einem Unfall ums Leben, und nun macht sich die Zurückgebliebene Vorwürfe, ihr den Geliebten vorenthalten zu haben.
Als "ein sehr persönliches Buch" bezeichnet John von Düffel seinen zweiten Roman. Doch die beiden Erzählstränge sind voneinander völlig unabhängig; es sind lediglich die zwei Monologe - einer davon auf der Autobahn, der andere vor allem im Bett, während der Geliebte mit einer anderen unterwegs ist - die die dürftige Handlung bestimmen. Der Vater sinniert über das distanzierte Verhältnis zu seinem Sohn, die junge Frau über das distanzierte Verhältnis zu ihrem Geliebten und die TatSachbuche, dass ihre Schwester die einzige war, die sie wirklich geliebt hat. Beide vergegenwärtigen sich die intensiven Momente ihrer Beziehungen und erzählen kleine Episoden.
Spannung kommt in dem Roman keine auf, die Monologe plätschern vor sich hin, die beiden Protagonisten geben geschwätzige Selbsterkenntnisse preis. So ist der durch die Nacht rasende Vater auf der Suche nach dem einen Satz, der ihn zerstören könnte und die junge Fraum merkt an: "Mein größter Fehler ist nicht, wie du sagst, dass ich nur die Menschen respektiere, die mich nicht mögen, sondern dass ich umgekehrt die Menschen nicht respektiere, die mich mögen." Es ist bisweilen eine larmoyante Innerlichkeitsprosa mit netten Sentenzen. Immerhin gelingen ihm einige wunderbare kleine Beobachtungen des Alltags ("Meine Frau faltet die Hände um ihre Kaffeetasse wie zu einer Morgenandacht.").
John von Düffel schreibt amüsante Theaterstücke. Seine beiden ersten Romane dagegen sind reichlich überbewertet.
 

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John von Düffel. Zeit des Verschwindens
Bestseller. DuMont, 208 Seiten.
ISBN: 3-770-15316-2

© Matthias Kehle

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