John von Düffel

born in the RAF

John von Düffel wurde mit seinem Erfolgsroman "Vom Wasser" richtig bekannt. Doch der Dramaturg und Theaterautor machte bereits mit seinen zahlreichen Stücken von sich reden - "Rinderwahnsinn" etwa gehörte 1999 zu den meistgespielten Stücken in Deutschland.
In dem Monolog "Born in the RAF" berichtet ein Terroristenkind dem Generalbundesanwalt vom Leben mit seinem Eltern. Die traumatische Erfahrung, bereits als Zweijähriger in Nordirland terroristisch aktiv gewesen zu sein und die Scheiben von Telefonhäuschen zerstört zu haben, brachte das Kleinkind auf die rechte Bahn. Fortan krempelte es allmählich seine Eltern um, schließlich gehörten diese dem innersten Zirkel der RAF an, während das Kind zum spießigen Kleinbürger heranreifte und trickreich seine Eltern vom Terror abhielt.
"Die kleinste terroristische Einheit ist die Familie", stellt der Klappentext fest. In diesem Fall erzieht das Kind die Eltern, die Verhältnisse sind auf den Kopf gestellt, das Kind entlarvt den Wahnsinn und die Ideologien seiner Eltern. Oder anders formuliert: Die Generation John von Düffels (Jahrgang 1966) macht sich über ihre geistigen Väter lustig, denn in dem ungemein witzigen Monolog analysiert der Autor nicht, er kalauert in bester Monty-Python-Manier. Das ist auch die Schwäche des Stückes: Das Groteske, das die Rote Armee Fraktion auch darstellte, die Verbohrtheit und die autoritären Strukturen werden nicht parodiert. Die Eltern selbst und das Geschehen in den Siebziger Jahren bleiben seltsam blass. Die kindliche Phantasie, die Eltern seien Terroristen, bleibt eine Kopfgeburt.
 

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John von Düffel. born in the RAF
Merlin, 74 Seiten.
ISBN: 3-926-11285-9

© Matthias Kehle

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