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"'Mein Leben'" Wenn ich diese Worte denke, sehe ich einen Lichtstreifen
vor mir. Bei näherer Betrachtung hat der Lichtstreifen die Form eines Kometen, mit Kopf und
Schweif. Das lichtstärkste Ende, der Kopf, sind die Kindheit und das Heranwachsen. Der Kern,
sein dichtester Teil, ist die sehr frühe Kindheit."
Tomas Tranströmer, der wichtigste schwedische Gegenwartslyriker, übersetzt in über
30 Sprachen, ist in den Kern seines Lebens vorgedrungen und erzählt seine prägenden
Erinnerungen. Als Junge war er beispielsweise besessen von Käfern, Schmetterlingen und
Insekten aller Art und sammelte sie mit wissenschaftlicher Akribie; im Reichsmuseum in Stockholm
fachsimpelte er mit einem schrägen Professor, der das Kind wie einen Erwachsenen behandelte.
Später dachte sich Tomas Reisen in ferne Länder aus und trieb sich in den
Erwachsenenabteilungen der Bibliotheken herum..
Thomas Tranströmer war - seinen Erinnerungen zufolge - ein waches, vielseitiges Kind mit einer
ansonsten recht normalen Kindheit. Kein Außenseiter, aber auch nicht sonderlich beliebt,
zeichnet er seine kindlichen Obsessionen und intensivsten Wahrnehmungen nach. Die Personen, seien
es Mitschüler oder Verwandte, bleiben dagegen blass. Am meisten beeindrucken die Bilder, die
sich ins Gedächtnis des Lyrikers eingegraben haben, zum Beispiel wie er als kleines Kind durch
Stockholm irrte, weil er seiner Mutter verlorenging.
Wie es sich für einen Lyriker von Rang gehört, sind die Erinnerungen in knapper,
präziser und distanzierter Sprache geschrieben. An einer Stelle nimmt die Intensität ein
wenig zu, und zwar im vorletzten Kapitel "Exorzismus". Der pubertierende Thomas
wird - wie viele Kinder in ähnlicher Weise - heimgesucht von Krämpfen, ängsten,
Depressionen, Entsetzen. Sein ganzes Bewußtsein war mehr als ein halbes Jahr lang
geprägt von "Krankheitsherrschaft". Viele Zentimeter gewachsen, verschwand
diese Krankheit jedoch ebensoschnell wie sie gekommen war. Die Literatur schlich sich übrigens
erst spät in Tranströmers Leben, nämlich im vorletzten Schuljahr bei der
übersetzung römischer Lyriker.
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Tomas Transtroemer. Die Erinnerungen sehen mich.
Carl Hanser Verlag, 78 Seiten.
ISBN: 3-446-19670-6
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