Rudolf Stirn

 

Der Goldene Tropf: Erzählung aus Backpfeif

In der schwäbischen Kleinstadt Backpfeif leben einige schräge Gestalten. Da ist der Comicologe Schnuppentrieg, der einem Fabelwesen mit eingebautem Telefon mit angstfeuchten Händen gegenübersteht. Das Wesen muß ihm die "Figurenmafia" geschickt haben. Schnuppentriegs "Beine fühlten sich an wie warmgewordene Rote Grütze". Zu Recht, denn das Fabelwesen entführt ihn und foltert ihn mit einem Ozonographen. Neben Schnuppentrieg und dem Fabelwesen gibt es den Konnektor der Lehr- und Mehranstalt (der im Café sitzt und Leute beobachtet), dessen Tochter (die ihrem Vater den Haushalt führt) oder den Leiter einer Bank (der einem Telefonattentat zum Opfer fällt). Backpfeif selbst war einmal abgebrannt. Die in Backpfeif angesiedelten Filmstudios hatten Kulissen von Fachwerkhäusern. Backpfeif ist deshalb wieder als Kulissenstadt aufgebaut worden.
Rudolf Stirn hat ein Bataillon grotesk überzeichneter Charaktere, regelrechte Comicfiguren, erschaffen, die in der schwäbischen Kleinstadt ihr Unwesen treiben und moderne schwäbische Tugend überreizen: Die Gesundheitsgeher marschieren permanent um den Giftberg, die Ökoliga giftet andere Menschen an. Zwischen ätzend und amüsant schwankt Rudolf Stirns Erzählung, laut vorgelesen entfaltet das Bestiarium am besten seine Wirkung.

Rudolf Stirn: Der Goldene Tropf: Erzählung aus Backpfeif, Alkyon Verlag Weissach i.T. 125 Seiten ISBN 3-933292-46-8

© Matthias Kehle

>Seitenanfang 

 
Gehe zu