Charles Simic |
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Die Fliege in der Suppe |
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Der serbo-amerikanische Schriftsteller Charles Simic, Pulitzer-Preisträger des Jahres 1992,
hat eine schmale Autobiographie geschrieben. Vielleicht ist es ein typisches Emigranten-Schicksal,
das er nachzeichnet, bemerkenswert ist jedoch die distanziert-ironische Sprache, die er für
seine Kindheit und Jugend findet. Er erzählt aus der naiven Sicht des kleinen Kindes, wie
Belgrad bombardiert wird, die Familie immer wieder in die Dörfer fliehen muß, wie sein
Vater einfach nach Amerika verschwindet und die Mutter mit den beiden Kindern über den Umweg
Paris ihrem Mann folgt. Die abenteuerliche Flucht vor dem nunmehr kommunistischen Regime wird in
ebenso kleinen Episoden erzählt, wie Simics Erfahrungen als Außenseiter in einer Pariser
Schule. In Amerika schließlich lernt Simic seinen Vater mehr als Freund denn als Vaterfigur
kennen und geht mit ihm auf Zechtouren. Simic findet erste Jobs und fängt an zu malen. Dann
geschah es: "In der Schule zogen mich natürlich Schüler an, die sich für
Kunst interessierten. Eines Tages gestanden zwei meiner Freunde, sie schrieben Gedichte. Ich bat
sie, sie lesen zu dürfen. Ich war nicht beeindruckt, von dem, was ich las. Ich ging nach Hause
und schrieb selber ein paar Gedichte, um ihnen zu zeigen, wie man das machen
müßte." Natürlich ging dieser Versuch erst einmal in die Binsen. Doch von
nun an beherrscht die Literatur, die Kunst und die Philosophie das Leben Simics und seine
Erinnerungen. Die Militärzeit verbringt er wieder in Europa, und erneut erzählt Simic
kleine, allzutypische Geschichten, beispielsweise von jenem Oberst, der amerikanisches Wasser
einfliegen läßt, damit seine Jungs sich nicht am französischen Leitungswasser
vergiften.
© Matthias Kehle
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