John Burnham Schwartz

Die Geheimnisse von Tokio

Der Deburtoman von John Burnham Schwartz ist ein temporeicher "Reisebericht" von einem jungen Amerikaner aus New York, der nach seinem Yale Studium seinen ersten Job im Ausland absolviert. Alec lebt bei einer gut situierten japanischen Gastfamilie. Der Vater ist Geschäftsmann, die Frau ist Mutter, Hausfrau und "führt die Bücher". Sie ist die wichtigste Kontaktperson für Alec. Während seiner Zeit in Japan versinkt er immer wieder in Kindheitserinnerungen. Als die Ehe seiner Eltern zerbrach, empfand er "daß Familien zerfallen wie Moleküle".

In seinen Kinderträumen war Japan das Land, in dem man im Haus keine Schuhe braucht. Das Tokio, der 1980-er Jahre ist laut, hektisch und wie jede Großstadt ein Moloch. Ruhe scheint es nicht zu geben - außer in der überfüllten U-Bahn, wo kein Mensch ein Wort sagt.

John Burnham Schwartz wirft einen ironischen Blick auf japanische Gepflogenheiten, beispielweise gibt es Frisöre nur für Firmenchefs. Ein japanischer Freund führt Alec in das Nachtleben ein. Sie erleben in einem Nachtclub wie Frauen auf der Bühne hygienisch einwandfrei mit Gummihandschuhen und Zungenschutz Sex mit den Gästen praktizieren.

Der Roman hat auch seine poetischen Seiten. Das traditionelle Japan lernt Alec durch  Besuche bei den Großeltern seiner Freundin kennen. Schwartz  beschreibt die Landschaft, durch die Alec fährt: "Vereinzelt kleine Kieferngruppen, entlang der Höhenzüge. Sie verharrten dort wie Leute, die sich zum Nachmitttagschwatz getroffen haben."
 

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John Burnham Schwartz. Die Geheimnisse von Tokio
Roman. Goldmann, 283 Seiten.
ISBN: 3-442-09763-0

© Matthias Kehle

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