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Im südafrikanischen Burenkrieg am Ende des letzten Jahrhunderts dienen die Mischlinge den
Briten als Handlanger gegen die niederländischstämmigen Weißen. Die Briten siegen,
die Afrikaans sprechenden Mischlinge, die heimlich geplündert haben, wissen nichts mit sich
anzufangen. Chai und Ta Vuurmark gründen deshalb in der nordwestlichen Kapprovinz eine kleine
Ansiedlung namens "Vatmaar".
Andrew Henry Martin Scholtz, geboren 1923, hat mit "Vatmaar" den ersten auf
Afrikaans geschriebenen Roman eines Farbigen überhaupt geschrieben. Er erzählt die
Geschichte eines Dorfes, in dem sich die Armen aller Hautfarben eine kleine, mühselige, aber
glückliche Existenz aufbauen. Erzählt wird der Roman jeweils aus der Sicht der Figuren.
Beispielsweise berichtet der greise Ta Vuurmaak den Jungen des Dorfes vom Krieg, den
Brandschatzungen und der englischen Königin, einer gottähnlichen Frau, die Macht
über alle Männer hat. Erzählt wird über zwei Generationen hinweg; die
Geschichten der Alten werden zu Mythen für die Jungen. Was die Farbigen erleben und wie sie
die Rassentrennung wahrnehmen, kann nur als rührend bezeichnet werden. Vor allem die Frauen
werden von ihren Herren mißbraucht oder zumindest gedemütigt. Tante Wonnie etwa, wird
aus reiner Willkür bezichtigt, den Ehering ihrer Herrin gestohlen zu haben. Vor Gericht
verläßt Wonnie sich auf Gott und erzählt einfältig ihre Lebensgeschichte. Der
gerechte Richter hat ein Einsehen, spricht sie frei und sorgt dafür, daß sie eine
Witwenrente erhält.
Vatmaar ist eine Idylle, in der sich die Armen gegenseitig helfen bei der Geburt, beim Arbeiten,
beim Altwerden und beim Sterben. Der schlichte, naiv erzählte Roman gibt dabei erstmals
Einblicke in eine fremde Welt, in ein anderes Denken. Die Geschichten, die vielleicht wirklich so
passiert sind, die über die wenigen Generationen weitererzählt und schließlich
aufgeschrieben wurden, lassen die Welt der Rassentrennung und der Armut in einem milden Licht
erscheinen.Vielleicht liegt es an den warmherzigen Figuren. Am Ende erhält Vatmaar eine kleine
Krankenstation und eine Fußballmannschaft, finanziert von Kenny, einem Vorarbeiter, der von
seinem weißen Chef stets begünstigt wurde. So viel Glückseligkeit in Armut
muß einen jedoch stutzig machen.
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Andrew Henry Martin Scholtz. Vatmaar
Roman. Luchterhand Literaturverlag, 418 Seiten.
ISBN: 3-630-87023-6
© Matthias Kehle
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