Evelyn Schlag |
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Die göttliche Ordnung der Begierden. |
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In seinem 50. Lebensjahr ändert sich das Leben des katholischen Priesters Ulrich radikal: Er "bewahrt seine Seele vor dem Verbrennen". Ausgelöst durch den Tod seiner Hündin, stürzt Ulrich in tiefe Trauer, stellt er doch fest, daß er dieses Tier wie einen Menschen geliebt hat. Der 50jährige verliebt sich in Cordula und verbringt mit ihr einen heimlichen Urlaub in Wales. Der reife Erwachsene entdeckt die Welt neu, sieht die Farben des Rhododendrons und die walisische Landschaft, er spürt die weichen Lippen der Frau und genießt ihren Körper zum ersten Mal. Nach dem Urlaub erleidet Cordula einen Schlaganfall, Ulrich zeichnet seine Erlebnisse auf. Diese Aufzeichnungen machen den Roman "Die göttliche Ordnung der Begierde" aus. Ulrich seziert regelrecht sein bisheriges, Gott oder vielmehr der Katholischen Kirche geweihtes Leben, er zweifelt und verzweifelt, führt theologische Diskussionen mit sich selbst und seinen Freunden und erkennt, wie sehr das Zölibat das Leben von Priestern ruiniert - zu den grotesken Details zählt Ulrichs Feststellung, daß er vor Cordula nie mit jemandem zusammen gekocht hatte. Die Begierde gehört in die göttliche Ordnung des Lebens, und so notiert Ulrich seine wenigen Erlebnisse. Seine Erfahrungen vorsichtig umkreisend, sorgt er sich gleichzeitig um die schwerkranke Geliebte. Im Priesterseminar beispielweise wurde er von einem Freund verführt, der inzwischen das Leben als Priester aufgegeben und sich zu seiner Homosexualität bekannt hat. Der Roman rechnet mit der Katholischen Kirche ab und deckt unsinnige Rituale auf, die nur die Macht der Kirche zementieren und die Seelen, vor allem die der Priester, in Abhängigkeiten verstricken. Auf der anderen Seite ergründet er die menschliche Liebe mit sanfter Schonungslosigkeit: Auch Ulrich muß sich, einen jungen Musiker beobachtend, eingestehen, daß sich Begierde nach dem eigenen Geschlecht regt. Gleichzeitig bemerkt er die menschenverachtende Haltung seiner Kirche gegenüber Homosexuellen. Besonders faszinierend an dem Roman ist, daß ein Erwachsener erstmals die Liebe entdeckt, und zwar höchst bewußt und nicht von der Pubertät gebeutelt. Bemerkenswert ist außerdem, daß dieser Roman, der sich fast ausschließlich um die männliche Sexualität dreht, von einer Frau geschrieben wurde.
© Matthias Kehle
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