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Anna Grom ist auf der letzten Reise: Die junge Frau hat sich erhängt und schreibt nun, nach
ihrem Tod, Briefe an ihren ehemaligen Geliebten Wilamowitz. Vierzig Tage währt die letzte
Reise, die Anna Groms Geist durch die Schattenwelt unternimmt, und an jedem dieser Tage schreibt
sie einen Brief. Sie erzählt darin, wie sie als 20-jährige Russin nach Berlin kommt, sich
durchschlägt, anfängt zu studieren, erotische Abenteuer hat und schließlich bei dem
Altphilologen Wilamowitz landet. Dieser läßt Anna an sich heran und weist sie ab - mit
jeder Abweisung trennt sie sich mehr von ihrem eigenen Körper, "weil mit jedem Tag die
Liebe, die der Mensch seinem eigenen Körper zuteil werden läßt und die man als
Selbsterhaltungstrieb bezeichnen kann, mehr und mehr auf Dich überging."
Die 29-jährige Autorin Maria Rybakova erzählt nicht nur von einem tödlich endenden
Abhängigkeitsverhältnis, Anna Grom hat wunderbare kleine Geschichten parat, etwa von
einem Papagei mit telepathischen Fähigkeiten oder einem Restaurantbesuch mit Wilamowitz'
Vater, der seiner Begeisterung über Anna freien Lauf läßt. Maria Rybakova kennt die
Literaturgeschichte des Todes: Da ist das Motiv der überfahrt, das allmähliche
Ablösen der Seele vom Körper, da sind die Schattengestalten und das schwierige
Verhältnis von Sein und Nichts, mit dem sie ironisch-souverän zu spielen weiß. Der
Tod ist für Anna Grom der Zustand, in dem sich ihr Körper von Wilamowitz gelöst hat,
doch erreichen die Geister-Briefe ihren Adressaten? Einen einzigen Brief schreibt Wilamowitz
zurück, und zwar nach einer spiritistischen Sitzung einiger Freunde von Anna, während der
sie sich tatsächlich offenbart.
Heute noch eine originelle Liebesgeschichte zu schreiben, ist schwierig, doch Maria Rybakovas Debut
ist ebenso amüsant wie gescheit.
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Maria Rybakova. Die Reise der Anna Grom. Eine Liebesgeschichte
Roman. Rowohlt, Berlin. 252 Seiten. 19.90 EUR .
ISBN: 3-87134-423-0
© Matthias Kehle
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