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Wir schreiben das Jahr 1820: Eine kleine Gruppe englischer Offiziere und Matrosen macht sich zu
einer Expedition in Kanada auf, um die Nordwestpassage zu finden. Dabei sind sie auf die Hilfe der
Ureinwohner angewiesen, die verwundert darüber sind, mit welchen unsinnigen Mitteln
"Diese Englischen" mit der Weite und der Kälte des Landes zurecht kommen wollen.
Bereitwillig unterstützen die Yellowknife-Indianer die Mannschaft, bereitwillig nehmen sie die
Fremden während des langen Winters auf. Und wie sollte es anders sein: Zwei Offiziere buhlen
um die Gunst von Greenstockings, der schönen Tochter eines Schamanen.
Der kanadische Autor Rudy Wiebe hat mit "Land jenseits der Stimmen" einen poetischen,
aber zugleich lang atmigen Roman geschrieben. Im ersten Kapitel läßt er zunächst
"Die Tiere in diesem Land" zu Wort kommen und erzählt etwa, wie Karibus von
silbernen Wölfen gejagt werden. Erst dann bemächtigen sich die Menschen des Landes.
Zu den für die Indianer seltsamen Ritualen der Weißen gehört die TatSachbuche, dass
diese alles notieren. So besteht ein Großteil des Romans folgerichtig aus Aufzeichnungen der
Offiziere und des Arztes; Aufzeichnungen, die durch Erzählungen einzelner
Expeditionsmitglieder oder Indianer kommentiert werden. Das ist nicht immer geglückt, etwa
dann, wenn einer der rangniedrigsten Teilnehmer der Expedition sich selbst in eine soziale
"Unterschicht" einordnet, ein Begriff, der erst nach Karl Marx und Max Weber in den
allgemeinen Sprachgebrauch überging.
Die Expedition, die sich nach dem langen Winter in zwei Gruppen teilt, endet im Desaster. Ein
Großteil "Dieser Englischen" kommt um's Leben, erfriert, verhungert oder wird
von hungernden Kameraden erschossen.
"Land jenseits der Stimmen" ist ein Roman, der Einblick gibt in das raue Leben, nicht nur
der Expedition, sondern vor allem der Indianer, bevor diese von den Errungenschaften der westlichen
Zivilisation heimgesucht werden. Das ist die eigentliche Qualität des Romans, der in langen,
sinnlichen Passagen von deren Träumen, Mythen und dem Alltag erzählt.
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Wiebe Rudy. Land jenseits der Stimmen
Roman. Eichborn, Frankfurt/ Main. 412 Seiten. 24.90 EUR .
ISBN: 3-821-80845-4
© Matthias Kehle
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