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Tadeusz Rozewicz
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Zweite ernste Verwarnung
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Seit Baudelaire ist moderne Poesie oft geprägt von einer Anti-ästhetik, einer
ästhetik des Häßlichen. Der polnische Lyriker Tadeusz Rózewicz hat als
Partisanenkämpfer den 2. Weltkrieg zwar überlebt, aber die Erfahrungen haben ihn seither
nicht mehr verlassen. Diese Erfahrungen mögen es gewesen sein, die seine Poetik weiter
geführt haben als dies bei anderen Lyrikern des letzten Jahrhunderts der Fall ist. Er selbst
äußerte einmal, er habe einen "Haß gegen die Poesie. " Fast
ohne metaphern und Bilder kommen Rózewicz' kargen Gedichte aus, bei manchen muss man gar
nach formalen Elementen suchen, viele Texte sind im Grenzbereich zur Prosa angesiedelt.
Die Gedichte, die in dem schön gestalteten Band "Zweite ernste Verwarnung"
erschienen sind, sind eine Auswahl aus Texten aus den Jahren 1948 bis 1999, umfassen also das ganze
Schaffen von Rózewicz. Anfangs sind die Texte vom Zweiten Weltkrieg geprägt:
"Ich sah: lastwagen voll zerstückelter menschen/ die nicht erlöst
werden". Später mischen sich ironische Betrachtungen über den Kulturbetrieb und
seine eigene Rolle in die Sammlung hinein ("An den Rändern der Poesie").
Rózewicz thematisiert auch die Rolle der Poesie und seine eigene Poetik ("die stille
ist der spiegel/ meiner gedichte/ deren abbild schweigt"). Prangert er einerseits Dichter an,
denen "als köder dienen/ 'schönheit', 'das wohl der
menschheit '", so gibt der große polnische Autor doch andererseits zu, wie
wichtig ihm die Poesie ist, wenn er etwa "an einem gedicht bosselte." Die spröden
Texte Rózewicz' suchen denn auch in ihrer subtilen Rohheit Vergleichbares.
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Tadeusz Rozewicz. Zweite ernste Verwarnung
Lyrik. Carl Hanser Verlag, München.
ISBN: 3-446-19931-4
© Matthias Kehle
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