Hendrik Rost

 

Aerobic und Gegenliebe

Liest man aufmerksam die Gedichtbände der letzten Zeit, so hat man den Eindruck, dass die Zeit der bildungschwangeren Hochglanzlyrik à la Grünbein und Kling allmählich vorbei ist. Die Dinge, das Sein, der Alltag und eine schlichte Sprache sind im Kommen. Das gilt auch für Hendrik Rost und seinen bereits dritten Gedichtband "Aerobic und Gegenliebe". Geschult an amerikanischen Vorbildern, aber auch an Theobaldy und Brinkmann, haben viele seiner Gedichte einen fast erzählerischen Ton, wobei Rost einige wunderbare Bilder gelingen:

Jemand reißt ein Blatt
aus dem Reiseführer und faltet ein Boot

beginnt lakonisch das eine Gedicht, in einem anderen finden sich die Zeilen

... die Hunde verträumen
den Tag vor der Schwelle,
müde vom Jagen nach den Schaumkronen.

Hier wird auch schon ein wiederkehrendes Motiv des 32-jährigen Autors deutlich: das Meer und die Küste. Daneben finden sich eine Reihe Texte, die um das Thema Nähe und Partnerschaft kreisen. In schlichtem Parlando und sehr sinnlich berichtet das erste Gedicht des Bandes von einem, der spät nachts durchgefroren nach Hause kommt und einen Teller Pflaumen vorfindet.
Eine Hand voll gelungener Gedichte sind es nach Gottfried Benn, die ein Lyriker in seinem Leben schaffe, der Rest sei Beiwerk. In Hendrik Rosts Band allein findet sich diese Handvoll Gedichte, "Erbstücke" ist eines davon, "Beweise" ein anderes. Das soll nicht darüber hinweg täuschen, dass Rost eine Menge Beiwerk veröffentlicht hat; schwache, geschwätzige Texte, die oft stark gekürzt hätten werden müssen. Versucht Rost kritische Töne anzuschlagen, verfällt er dabei in Plattheiten:

Uns hat die Aussicht auf Fortschritt
voll erwischt;
'ich lebte zwar', zu mehr
fehlte einem allerdings der Mut.

Vielleicht waren es Popsongs, die Rost auch zu Sentimentalitäten verführt haben ("Herz aus Gold"). Möge er in Zukunft kritischer gegenüber sich selbst sein und nur die Geniestreiche veröffentlichen.

Hendrik Rost: Aerobic und Gegenliebe. Gedichte, Grupello-Verlag. Düsseldorf 2001, 94 Seiten, 24,80 DM. ISBN 3-933749-69-7

© Matthias Kehle

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