Werner Puschner

Ganz eifach abschalde

Wer in badischer Mundart schreibt, wird automatisch am badischen Großdichter Harald Hurst gemessen. Bei Werner Puschners Debut "Ganz eifach abschalde" geht der Vergleich jedoch gar nicht gut aus. Zumindest in einigen Geschichten scheint immerhin durch, daß der Autor ein passabler Beobachter ist. Er erzählt von Rentnern in den Hallenbädern zwischen Waldbronn und Baden-Baden, die regungslos wie Krokodile im Wasser liegen und von südlichen Inseln träumen ("Na Hermann, gehts widder uff d'Insel?"). Allzutypisch ist auch das "Frauefrühstück" mit Kaffee, vielen Zigaretten und einem "super Gspräch". Die stärkste Geschichte berichtet von einer Radtour, bei der sich der Erzähler vollkommen erschöpft in einem Restaurant wiederfindet, das von einem Vierjährigen tyrannisiert wird. Puschners Geschichten lösen kein Gelächter  aus, Ironie findet sich allenfalls zwischen den Zeilen.
Wie beim berühmten Kollegen auch, sind zwischen die Dialekt-Texte auch solche in Schriftdeutsch gemischt. Die badische Mundart selbst ist auf die akademische Variante beschränkt. Puschners Badisch wird eher im Lehrerzimmer "g'sproche" als auf der Straße, in der Kneipe oder im Fußballstadion "gebabblt". Wenn die Figuren des Lehrers Puschner wenigstens "spreche", "schwätze" oder "babble" würden, wären die Texte sicher erträglicher. Leider aber mischt sich der Autor in die Dialoge und Geschichten ein, oft sogar mit einem erklärenden Vorspann. In einer Szene führen zwei gebildete Menschen mit erhobenem Zeigefinger einen Dialog über die Bedeutung des Abiturs, und zwar mit der flachen Moral: "Auch ohne Abitur ist man ein Mensch."
Mit Verlaub grauenvoll sind Puschners Gedichte. Entweder sie fordern einem erbaulich auf, sich aufzurappeln "raus aus em Loch" oder sie wiederholen seit der Steinzeit bekannte Klischees über die Liebe ("Mit Haut un Haar /geb ich mich hin") bzw. beschäftigen sich philosophisch mit dem Konjunktiv ("Und ich würde doch/ so gerne/ ich sein"). Der Rhythmus ist holprig, die Reime im Extremfall völlig daneben ("un dei Gedanke kreise/immer ums Gleiche") oder banal ("Leut"/ "heut"). Hätte er die Gedichte weggelassen und sich Zeit genommen für seine Alltagsgeschichten, wäre Puschners Band vielleicht vergnüglicher geworden.

© Matthias Kehle

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Werner Puschner. Ganz eifach abschalde.
INFO, 344 Seiten.
ISBN: 3-809-02437-6

© Matthias Kehle

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