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Studienassessor Kranich, Englisch, Deutsch sieht sich gleich am ersten Schultag mit seinem
Direktor Höllinger konfrontiert: Den Fauxpas, dass Kranich nicht in Göppingen wohnt, kann
er nur dadurch wieder gut machen, dass er GSB wird, Geheimer Sicherheitsbeamter.
Bereits nach kurzer Zeit war die erste Auflage von Markus Orths' neuem Roman
"Lehrerzimmer" vergriffen. Kein Wunder, denn "Lehrerzimmer" ist eine brillante
Satire, quasi das Buch zur PISA-Studie. Kranich wird schnell in einen aufmüpfigen
Kollegen-Zirkel eingeweiht, er muss eine Kollegin ständig mit neuen kniffligen Fragen zur
Geschichte befriedigen, und er muss die Vornoten seiner Schüler auswendig lernen, denn bereits
in Klasse 5 steht die Abiturnote fest. Er versucht außerdem, Verwaltungsvorschriften zu
verstehen, kämpft sich durchs Gestrüpp pädagogischer Methoden und erlebt
Höllinger als Tyrannen, der mehr Ähnlichkeit mit Erich Mielke hat als mit einem normalen
Chef.
Was der gutmütige Kranich mit der Schulbuchmafia und der Stasi-ähnlichen Bürokratie
im Gymnasium der schwäbischen Kleinstadt erlebt, ist zwar nach allen Regeln der Satire
übertrieben, aber dennoch so realistisch und komisch geschildert, dass einen nichts mehr
wundert. Jedem, der in den letzten Jahren ein süddeutsches Gymnasium von innen erlebt hat,
wird das Lachen im Hals stecken bleiben. Übrigens: Markus Orths war für kurze Zeit Lehrer
in Göppingen.
Markus Orths: Lehrerzimmer. Roman.
Schöffling & Co, 162 Seiten. 18,50 Euro,
ISBN 3-89561-095-X
© Matthias Kehle
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