Markus Orths

Corpus

Furios und komisch beginnt "Corpus", der erste Roman des jungen Karlsruher Autors Markus Orths. Christofs Vater stirbt an Pfannkuchen aus Moltofill - eigentlich wollte sein pubertierender Sohn Christof der Schwester einen Geburtstagskuchen aus Gips bescheren, weil sie ihn verpetzt hat, doch die Füllmasse im Mehlglas findet versehentlich eine andere Bestimmung. Was als grausige Lausbubengeschichte beginnt, mündet in eine Erzählung von einem, der auszog, um Priester zu werden und seinen Körper zu verleugnen. Ein brisantes Thema also, und auch bei Markus Orths' Roman kommt es zu Verwicklungen, bei dem der Körper am Ende keinesfalls siegt. Zunehmend verschlungen wird die Handlung, als der Priester Christof in einem Taxi in einen Unfall verwickelt wird, der Taxifahrer mit Namen Kai und das Unfallopfer Ina ein Paar werden, außerdem Christof seinen Jugendfreund Paul wieder trifft, dem er erzählt, welche Erfahrungen er mit der Freundschaft zu diesem Pärchen gemacht hat. In "Corpus" werden Gespräche geführt und langwierig Ereignisse rekonstruiert. Gelegentlich vergreift sich Markus Orths in seinen metaphern, mit denen er versucht, dem Roman Drive zu geben. Der Autor doziert seitenweise über Erkenntnisse der "Gender Studies", was zwar interessant ist, doch diese feinsinnige, detail- und theoriereiche Erkundung der Körperlichkeit bremst die Erzählung. Nach dem furiosen Anfang wartet man vergeblich auf einen weiteren Höhepunkt oder wenigstens auf eine leibhaftige Begegnung zweier Körper. Selbst insgesamt drei Tote bringen den Roman nicht recht in Schwung. Schüchtern und schamhaft halten sich am Ende der schwule Paul und der Priester, der nicht so recht weiß, zu welchem Geschlecht er sich hingezogen fühlt, die Hände, bevor Christof aufsteht und geht - wohin auch immer.

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Markus Orths. Corpus
Roman. Schöffling, Frankfurt/ Main. 216 Seiten.
18.50 EUR.
ISBN: 3-89561-094-1

© Matthias Kehle

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