Annette Nolte |
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Die Spinnerin |
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Die heroinabhängige Prostituierte Anne Selden bewegt sich immer rasanter auf den Abgrund
zu. Als sie nach Hause kommt, steht die Wohnung unter Wasser. Gleichgültig versucht sie, die
Schäden zu beseitigen. Ihr droht eine Kündigung wegen lärmender Besucher, einer
"verurSachbuchte darüber hinaus die Verunreinigung des 3. Stockwerkes"
durch eine "stark blutende Kopfwunde". Ein Gerichtsverfahren wegen
Drogenmißbrauchs übersteht sie am Rande des körperlichen Zusammenbruchs. Das
Gefängnis bleibt ihr nur deshalb erspart, weil sie sich um eine Therapie bemühen
möchte, doch gleich darauf setzt sie sich den nächsten Schuß. Ihr strapazierter und
ausgemergelter Körper entgeht kurze Zeit später auf der Intensivstation nur knapp dem
Tod. Zwischen diesen Episoden nimmt sie apathisch am Leben im Kiez teil, beobachtet andere Nutten,
Penner und Drogenabhängige, schafft an oder läßt sich an der Seite eines
älteren Freiers durch die Stadt treiben. Sie spinnt einen Faden zwischen zwei niedrigeren Häusern, die den Hauptbahnhof links und rechts flankieren. In engem Abstand dahinter setzt sie weitere parallellaufende Fäden, bis das Dach des Bahnhofs durch die feine, aber strenge Liniensammlung fast verdeckt ist. Innerhalb weniger Minuten hat sie die geordnete Struktur durch willkürlich gezogene Fäden ergänzt. Das Gespinst ist dicht und undurchsichtig. Zufällig und fast beiläufig lernt Anne den Schwarzen Anselm kennen, genauso beiläufig entwickelt sich zwischen ihnen eine Beziehung, die auch dann nicht zerbricht, als Anselm entdeckt, daß sie eine drogenabhängige Prostituierte ist. Die bewußten Momente mehren sich. Zuletzt sitzen die beiden auf Annes Balkon, sie spinnt wieder einen Faden, den Anselm zu Annes Erstaunen plötzlich entdeckt. Der einzige pathetische Moment des Romans wird durch den letzten Satz markiert: "Die Scheinwerfer gehen aus".
© Matthias Kehle
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