|
| |
Leichte Bekleidung und leichte Lektüre braucht man in diesem Sommer. Letzteres bietet
Ingrid Nolls neuer Krimi "Rabenbrüder". Paul und Achim sind zwei ungleiche
Geschwister: Der eine ist als Anwalt etwas arbeitsscheu, der andere ein Windhund und Lebemann.
Scheinbar urplötzlich stellt sich ein Nachbar ihrer Mutter als deren Liebhaber heraus, worauf
nicht nur der cholerische Vater stirbt, sondern auch eben dieser Lover ermordet wird. Nicht genug:
Wie weiland Uwe Barschel scheidet schließlich die Mutter in der Badewanne dahin.
Ingrid Noll schafft es, ironisch und distanziert eine Familienwelt zu sezieren, in der sich
Abgründe auftun. Paul hat die Ex-Frau eines Freundes zur Geliebten und Achim hat
Spielschulden. Ein Autounfall, bei der Pauls Frau Annette mittlere Blessuren davon trägt,
verkompliziert die Lage drastisch.
Ingrid Nolls Figuren sind einfach, manchmal zu einfach. Da sind der cholerische Vater, die
rätselhafte Mutter, der gutmütige, aber schwache Paul, der schleimige Lügner Achim,
der gut gebaute Liebhaber, die unsympathische Geliebte und die unschuldige Annette, die unter dem
ganzen Familienschlamassel leidet.
Dennoch (oder gerade deswegen) sind die "Rabenbrüder" eine aufregend-leichte
Lektüre für den Baggersee, zumal doch jeder Leser eine Familie hat, in der nicht alles
koscher ist, wenn auch in weniger pathologischer Form als in Ingrid Nolls Romanen. Schade nur, dass
der Titel bald erahnen läßt, dass es zu einem Showdown der beiden Brüder kommt.
Aber bis dahin müssen einige Handlungsfäden wieder eingesammelt werden. Wie es sich
für einen ordentlichen Krimi eben gehört.
Ingrid Noll: Rabenbrüder.
Roman, Diogenes-Verlag, 280 Seiten, Euro. ISBN 3-257-86103-6, 19,90 Euro.
Dieses Buch
bei Amazon bestellen: › hier!
© Matthias Kehle
>
|
|
|