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Klaus ist Schriftsteller. Für sein neues Buch findet er kein Thema. Er braucht als Vorbild
für seine Hauptfigur einen lebenden Menschen, und so wählt er seinen psychisch kranken
Freund Nicola. Mal ist Nicola bei Klaus, mal in einer psychiatrischen Anstalt. Und dann ist da noch
die hochschwangere Irho, Klaus' Freundin, die mit dem Bauch ständig irgendwo
anstößt.
"Blues. Himmel" des Berner Autors Francesco Micieli wäre als eine Art
"Schweizer Blues" zu bezeichnen, wüßte man nicht, dass auch deutsche Autoren
gerne jammern, ihnen falle nichts zu schreiben ein. "Jammern" ist der treffende Ausruck
für die drei leidenden Protagonisten; mit einem richtig melancholischen Blues hat der auf 106
Seiten ausgewalzte, in viele kleine Absätze zerhackte Text, nichts zu tun. "An meinem
ganzen Körper waren kiloschwere Gewichte an die Haut gesteckt", läßt der
Autor Nicola sagen, "Schreiben, bis die Hände bluteten. Dabei sterben,"
läßt er Klaus träumen. Die Beschränktheit der Schweiz, allein durch die
Gegenwart der Alpen und die Frage, wieviele Ampeln sich wohl in der kleinen Republik befinden - um
viel mehr geht es nicht.
Der Schweizer Melancholiker bemüht sich um eine lakonische Sprache, doch leider ist er dabei
alles andere als originell. Dann kommen so unerhebliche Sätze zustande wie dieser:
"Die Fenster zeigten Himmelsausschnitte."
Micieli schreibt über seine Figuren: "Sie sassen alle drei da wie auf dem Sprung,
doch nichts geschah. Ein Gefühl von Erwartung hielt sie zusammen und auch
auseinander." Das ist charakteristisch für den Text selbst: Nichts geschieht, man
wartet und wartet und allein diese Erwartung hält die Textfragmente zusammen und auch
auseinander.
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Francesco Micieli. Blues. Himmel
Kurzprosa. Zytglogge-Verlag, Bern.
ISBN: 3-729-60604-2
© Matthias Kehle

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