Andreas Meier

Klausen

Klausen - schon allein das Wort verursacht Beklemmung, zu mannigfaltig sind doch die Assoziationen von Klaustrophopie bis Grausen. In der wirklich echten Welt ist Klausen ein kleines Dorf in Südtirol, in dem ein Roman des 35-jährigen Autors Andreas Maier spielt. Um was geht es? Nachdem ein offizieller Antrag im Gemeinderat gescheitert ist, nimmt eine Bürgerinitiative auf eigene Faust Lärmschutzmessungen vor - Klausen liegt direkt an der Brennerautobahn. Während einer nächtlichen Messung tauchen zunächst einige Betrunkene auf, dann "Gedungene von Auswärts", später eine Gruppe aus der Fraktion der Antragsgegner. Bei der entstehenden Rangelei gibt es zwei Verletzte. Später geht es - zumindest für eine Weile - gemächlicher zu, denn Andreas Maier seziert, was sich auf kommunikativer Ebene in Klausen abspielt. Gerüchte, Verdächtigungen und Geschwätz machen die Runde, vor allem bei weinseligen Gesprächen in einer Gaststätte: Die Messungen der "Kanaillen und Kommunisten" seien gegen das Deutschtum gerichtet! Welches Alibi hat eigentlich der Pakistaner, der in der Kneipe auftaucht? Der ehemalige Student Gasser aus Berlin "solle keinen Keil zwischen die Klausener treiben." Maier entblößt, wie Menschen aneinander vorbei kommunizieren. Das ist entlarvend, beklemmend und vor allem komisch.

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Andreas Meier. Klausen
Roman. Suhrkamp, Frankfurt/Main. 216 Seiten. 18.00 EUR.
ISBN: 3-518-41340-6

© Matthias Kehle

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