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"Wir können alles. Außer Hochdeutsch" wirbt die Baden-Württembergische
Landesregierung. Liest man Gilles Mebes Sammlung von Kriminalfällen der jüngeren
Landesgeschichte, dann bekommt der Slogan eine ganz andere Bedeutung.
Mebes rekonstruiert zwölf besonders markante Kriminalfälle. Es sind einfühlsame
Portraits von haarsträubenden Gestalten - Betrügern, Erpressern oder Amokläufern.
Die Literarisierung der Figuren ist gewollt, um der Psyche der Täter näherzukommen. Da
ist die Geschichte vom Hammermörder, der als Spielfilm und Roman von Fred Breinersdorfer
bekannt wurde oder die Geschichte eines Amokläufers aus der Karlsruher Gegend, der im
Nachhinein jede Sekunde seiner Tat rekonstruieren konnte. Weil die Fälle, die Mebes anhand von
Archivmaterial rekonstruiert hat, teilweise abscheuliche Gewalttaten beinhalten, haben Autor und
Verleger eine dramaturgisch erträgliche Reihenfolge ersonnen. Bei einem anderen,
"harmlosen" Fall handelt es sich um den Vater von Steffi Graf, bei einem dritten um den
Schäuble-Attentäter. Die Analyse von Mebes portraitiert in parallelen
Erzählsträngen einen peniblen Wolfgang Schäuble, der von einem
außerordentlichen Ordnungs- und Kontrolldrang besessen ist und einen völlig chaotischen,
psychisch kranken Täter, der in seinem Leben nur ein einziges Mal eine hochkontrollierte Tat
begeht, nämlich das Attentat. Mebes vertritt in seinen Krimis nicht nur die bekannte These,
dass sich Täter ihre Opfer nach bestimmten Gesichtspunkten aussuchen, sondern auch, dass jedes
Opfer zu seinem Täter passt, Zufallsbegegnungen bei Amokläufen eingeschlossen.
Wer sich also mit der "Nachtseite Baden-Württembergs" auseinandersetzen und einmal
eine andere, literarisch-psychologische Perspektive von Verbrechern kennenlernen möchte, ist
mit "Tatort Baden-Württemberg" gut bedient.
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Gilles Mebes. Tatort Baden-Württemberg
Krimi. Belchen, 288 Seiten.
ISBN: 3-933-48320-4
© Matthias Kehle

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