Gabriel Loidolt |
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Hurensohn |
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Der sprachgestörte Ozren, dem "die Wörter auf der Zunge krepieren",
der "außernormal" begabte, nach Wurstsemmeln süchtige Sohn einer Hure
hat sich mit reichlich Proviant im Klo eingesperrt. Er hat seine Mutter zu Tode gestürzt, aber
nur deshalb, weil sie sein Geburtstagsgeschenk und seine Liebe verweigerte und den Jungen von sich
stieß, als er sie in ihrem Appartement aufsuchte. So sitzt der 20jährige ehemalige
Sonderschüler auf der Kloschüssel und erzählt sein Leben in seiner
österreichischen Heimatstadt an der Grenze zum ehemaligen Jugoslawien. Ozren erzählt, wie
er im Rotlichtviertel sein Geld damit verdient, die Zimmer der Nutten zu säubern, nachdem die
Freier "brave Gockelhähne" waren, wie er auf der Suche nach seiner Mutter
durch die Stadt streift und ihn ein alterndes "Hurenmädchen" in die Liebe
einweiht, nachdem Ozren mit dem Putzeimer in ihrer Tür steht. Der Narr Ozren, der
"Gehirnakrobat", wird von allen verspottet und gehänselt. Wie fast jeder
Narr sieht auch dieser außerordentlich klar und entlarvt mit bemerkenswerter Leichtigkeit und
Ironie die Bigotterie österreichs und die Kehrseiten des Wohlstandes, der zum Krieg in
Jugoslawien führte. Ozren, dem "die Wörter im Gehirn explodieren",
wenn er etwas sagen soll, hat seine eigene, plastische Sprache entwickelt, die die Welt bunt, fast
grell färbt. Da fahren "Busblechschweine" durch die Straßen, die
Kellner tragen einen "Raucheranzug und eine Fliegenkrawatte", und er selbst
fühlt sich als "Laus im Fell des tanzenden Weltbären".
© Matthias Kehle
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