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Hin und hergerissen zwischen ihrem Mann, ihren kleinen Kindern und einem Schriftsteller,
beschäftigt sich eine junge Frau mit Dietrich Eckart. Eckart, eine Schlüsselfigur des
frühen Nationalsozialismus, war ultrarechter Journalist, Dichter und Dramatiker. Sein
übertragung von Ibsens "Peer Gynt" war Anfang des letzten Jahrhunderts eines der
meist gespielten Stücke in Deutschland. Mit seinem Erfolg wird Eckart von Morphium
abhängig, sein langsamer Abstieg ist vorgezeichnet. Zwar ist er noch lange Redakteur von
"Auf gut deutsch", einer "Wochenschrift für Ordnung und Recht", sowie
Theoretiker des Germanenkultes und verquaster Blut- und Bodenideologien, doch nachdem er
maßgeblich geholfen hat, Hitler zur Führerfigur zu formen, stirbt er 1923 am
Obersalzberg.
Tanja Langer hat mit "Der Morphinist" einen komplexen, ja wuchtigen Roman geschrieben.
Sie sammelt Material aus dem Leben Eckarts, spiegelt dieses an den Biografien der Eltern und
Großeltern der Erzählerin und an der Figur des "Getreuen Eckarts"; sie
collagiert Teile aus Eckarts Stücken und Gedichten, außerdem Zitate aus einem Regiebuch
von Max Reinhard etc. Vor allem der Mittelteil des Romans ist zu einem schwer verdaulichen Gewirr
geraten, das metapher ist für Eckarts Drogendelirium.
Die Geschichte der jungen Mutter, die über Eckart recherchiert und damit auch Selbstfindung
betreibt, spielt eine untergeordnete Rolle - fast scheint es, als sei sie unabhängig von der
Eckart-Biografie entstanden und unfertig in den Roman montiert worden. So ist "Der
Morphinist" ein seltsames Gemisch, bei dem man am Ende etwas unbefriedigt ist, denn weder das
Leben von Dietrich Eckart, noch die Figur der Mutter will recht plastisch werden. Dennoch ist der
Roman lesenswert, gibt er doch Einblicke in die Psychologie des ersten Viertels des letzten
Jahrhunderts oder genauer: wie dieses heute rezipiert wird.
Leicht, melancholisch und straff erzählt war der vor drei Jahren erschienene Debutroman
"Cap Esterel" der heute 40-jährigen Autorin. Angesichts der Wucht von "Der
Morphinist" kann man auf die Entwicklung von Tanja Langer gespannt sein.
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Tanja Langer. Der Morphinist oder Die Barbarin bin ich
Roman. Luchterhand Literaturverlag, München. 382 Seiten. 22.50 EUR .
ISBN: 3-630-87115-1
© Matthias Kehle

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