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Einen Pinguin von Kiew in die Antarktis zu verfrachten, ist gar nicht einfach, vor allem, wenn
er spurlos verschwunden ist. Viktor macht sich also auf die Suche nach seinem Pinguin Mischa. Naiv
und tolpatschig wie Viktor ist, landet er zunächst in den Klauen der ukrainischen Mafia, dann
im Bett einer jungen Bankierswitwe, schließlich in Tschetschenien als Sklave in einem
Krematorium, das illegal mit dem abgezweigten Öl aus einer Pipeline betrieben wird. Doch der
gutmütige Held besteht jedes dieser seltsamen Abenteuer. Die Mafia verschafft ihm Kontakte,
die reiche Witwe eine Kreditkarte, in Tschetschenien findet er gar Mischa und kann ihn mit viel
Glück aus seiner Gefangenschaft in einem Hundezwinger befreien.
Andrej Kurkow hat mit "Pinguine frieren nicht" seinen zweiten Roman um Viktor und seinen
Schützling Mischa vorgelegt. Es ist ein hinreißend komisches Märchen, in dem sich
stets alles zum Guten wendet, auch wenn das Leben noch so fürchterlich ist. Überall
tauchen übrigens die Utensilien des Westens auf: McDonalds, Internet-Cafés,
Marlboro-Tüten, Adidas-Schuhe - die ukrainische Hauptstadt Kiew ist fest in kapitalistischer
Hand, doch an jeder Straßenecke ist noch der melancholische Charme dieser alten Stadt zu
spüren.
Kurkow geht regelmäßig der erzählerische Gaul durch: Etwa wenn Viktor dadurch zu
Reichtum gelangt, dass er einen Goldbarren findet, der aus dem Zahngold der kremierten
Tschetschenienkämpfer stammt oder aber die Tochter eines bosnischen Kriegsverbrechers heiraten
muss, die er gerade entjungfert hat. Doch Kurkows Gaul kehrt immer wieder zurück. Jede noch so
abstruse Erzählidee findet ihr einfallsreiches Ende. Auch Kurkows zweiter Pinguin-Roman ist
ein Geniestreich, ein Märchen aus den 90er-Jahren, an dessen Ende man lächelnd
zurückbleibt.
Andrej Kurkow: Pinguine frieren nicht.
Roman, Diogenes-Verlag. Aus dem Russischen von Sabine Grebing. 537 Seiten, 22,90 Euro. ISBN 3-257-86102-8
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© Matthias Kehle

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