Martin Krauss

Kamille

Martin Krauss ist ein recht junger Autor (Jahrgang 1965), der im hessischen Lauterbach lebt und innerhalb von fünf  Jahren vier Bände mit Erzählungen und Gedichten in Kleinverlagen publiziert hat. Sein viertes Buch mit dem ebenso eigenwilligen wie knappen Titel "Kamille" erschien 1999, und was die zahlreichen Publikationen in schneller Folge vermuten lassen, wird bei der Lektüre Gewißheit: Martin Krauss schreibt und veröffentlicht zu viel.

Ihm gelingen lakonisch-knappe Portraits, die oft allenfalls eine Seite umfassen, wie beispielsweise "Der Rosenzüchter", der ein "Abendessen bereitet, das nur aus Rotwein (besteht)... Seine Hände fahren durch dünnes Haar. Er versteht die Schnecken, die er vergiftet". Doch oft sind seine Texte enigmatisch, die Assoziationsketten ergeben keinen rechten Zusammenhang, die Montagen der - immerhin sehr bildhaften - Bruchstücke sind nicht immer geglückt. Gelegentlich erinnern die kurzen Prosatexte an die Tradition der deutschen Landschaftslyrik ("über den Bäumen der Wind"):

Der halbe Mond steht im Graphit, neben dem Baum, doch unendlich weit davon entfernt. Wer bist du, Himmel, der bis in meine Lungen reicht?

mit einer Rhetorik, die an Peter Huchel erinnert.

Der Zyklus "Das Jahr" konterkariert ironisch Klischees der Naturbeschreibung:

Paragraph eins: Der Frühling ist keine Jahreszeit. Nur ein Bild... In der Tat ist es jetzt abends bis Landenschluß hell. Temperaturen, die im Herbst als unangenehm kalt empfunden werden, lösen nun Wohlbehagen aus.


Neben diesem Zyklus und den Miniaturen des Alltags von Menschen wie dem Rosenzüchter, der Buchhändlerin, dem Lehrer oder der Mutter und einigen Texten, deren Assoziationsketten sich enträtseln lassen, stehen jedoch andere, vor deren Rätselhaftigkeit der Leser kapituliert und ihm die Freude an den gelungenen vergällt. Vielleicht sollte man Martin Krauss ein wenig mehr Geduld und die Veröffentlichung eines "Best-of"-Bandes wünschen.

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Martin Krauss. Kamille
Kurzprosa. Gallimathias,
ISBN: 3-925654-34-8

© Matthias Kehle

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