Georg Klein

Anrufung des blinden Fisches

Georg Kleins Erzählungen leben von der Spannung der Vergangenheit, die das Jetzt beeinflusst. Die Hauptfiguren sind stets Einzelgänger, die in ein bestimmtes System integriert sind, wie z.B. der Werbetexter, der für den "Großen Schiem" arbeitet. Schiem ist der "ungekrönte König der Branche". Er traktiert seine Mitarbeiter, die für das viele Geld, das sie verdienen, noch mehr malochen. Sie sind in das System total eingebunden, arbeiten und schlafen im gleichen Gebäude. Privattelefonate sind - zeitlich begrenzt - von einem Clubtelefon in einem Gemeinschaftsraum aus zu führen. Nie sind sie allein. Außer im Flugzeug auf dem Weg ins Wochenende, an dem sie jedoch jede Minute an neuen Ideen arbeiten, die sie am nächsten Montag dem großen Meister präsentieren werden. Die Besessenheit dieser schrägen Gestalten ist der rote Faden im Buch von Klein.

In einer anderen Geschichte geht es um einen echten "Freak", einen Vertreter, der im Sommer in einer  Laube in der Schrebergartenkolonie haust und sich mit allerlei Drogen antörnt, bevor er Verkaufsbesuche macht. Er verkauft den "NOGO-Scanner", der jede unleserliche Handschrift in gesetzte Buchstaben auf dem Monitor umsetzen soll, für viel Geld an einen Dichter. Der Dichter - "groß, krumm, nicht ausgesprochen fett, aber unglaublich teigig." - hantiert mit dem seltsamen Gerät, während der Vertreter eine Nummer mit der Begleiterin des Dichters schiebt.

Georg Klein erzählt in "Anrufung des Blinden Fisches" zwar nicht gerade ordinär, aber stets an der Alltagssprache orientiert. Seltsame technische Apparate, die entweder noch nicht ausgereift sind oder mißbraucht werden, spielen eine große Rolle, z.B. jener Strahlungsapparat, der früher bei den DDR-Flughäfen zum Durchleuchten von Koffern verwendet wurde, nun aber bei einer Vernissage die Besucher verstrahlt, die freilich nichts davon wissen, dafür aber glasklare Bilder von ihren Skeletten liefern. Technik, das ist bei Georg Klein, stets mit negativer Faszination verbunden und hat eine böse, (zumindest für den Laien) nicht nachvollziehbare Seite.

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Georg Klein. Anrufung des blinden Fisches
Kurzprosa. Alexander Fest Verlag,
ISBN: 3-828-60087-5

© Matthias Kehle

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