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Hasan liebt Berlin und er liebt Istanbul. Wenn er gefragt wird, woher er stammt, antwortet er
jedoch Freude strahlend: "Berlin!"
Yadé Kara erzählt in ihrem locker-leichten Debutroman "Selam Berlin" die
Geschichte des nicht einmal 20-jährigen Hasans, der erleben muss, wie seine Heimatstadt Berlin
sich nach dem Mauerfall binnen kurzer Zeit radikal verwandelt. Berlin ist nicht mehr West-Berlin
mit Freaks, Punks, Jugoslawen, Studenten, Türken und Easy-Living, es ist eine gefährlich
deutsche Gemengelage geworden aus "Wir sind ein Volk", "We are the Champions"
und "Heil!" Mehr noch: Sein Vater, der mit einem Freund ein türkisches
Reisebüro betreibt, hat schon lange eine ostdeutsche Geliebte, die plötzlich im Westen
auftaucht und das Familienleben zerstört.
Hasan läßt sich durch die Stadt treiben. Mal hat er hier ein Mädchen, mal dort. Er
gerät in eine coole Szene von Filmemachern und Möchte-Gern-Stars und stößt
sich die Hörner ab. Er muss lernen, dass es im vereinigten Berlin wohl anders zugeht als im
guten alten "Westen", und auch erfahren, dass er nicht der schöne Pascha ist, dem
die Welt offensteht.
"Selam Berlin" ist ein klassischer Entwicklungsroman mit zeitgenössischen
Vorzeichen. Ein türkisch stämmiger, durch und durch deutscher junger Mann steht am Ende
da und sagt: "Ich wollte weiter nach Westen... Nicht hier, nicht da, einfach fort sein."
Doch es ist auch eine süffige Geschichte, die manchmal ein wenig zu cool erzählt, wie
merkwürdig es 1989 zuging.
Yadé Kara würzt ihren Roman mit reichlich Zeitgeschichte, aber auch mit wunderbaren,
kleinen Beobachtungen aus dem Alltag, die er frech und schnoddrig erzählt: "Ingrid
öffnete die Tür. Sie war beim Friseur gewesen. Die neue Dauerwelle stand wie ein
Tortendeckchen um ihr Gesicht."

Yadé Kara: Selam Berlin. Roman, Diogenes-Verlag, Zürich, 382 Seiten, 21,90 Euro.
ISBN 3-257-86093-5
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