Nicolas Jose |
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Die Rosenkreuzung |
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Sir Edward Popple ist ein weltfremder Rosenzüchter und Naturphilosoph, der einem Handbuch
für literarische Klischees entstammen könnte. In den politischen Wirren des Jahres 1651
findet er sich partout nicht zurecht, dafür aber sein intrigantes Prachtweib aus dem gleichen
Handbuch. Sie ist es, die ihren unfähigen Mann auf einem Forschungsschiff unterbringt. Popples
heißgeliebte Tochter, ein pubertierendes Mädchen, vom Autor mit allen Merkmalen einer
reifen Frau ausgestattet, schmuggelt sich mit aufs Schiff. Nun durchreist der Leser nicht nur die
halbe Welt, sondern auch die Gemeinplätze der Reiseliteratur. Meutereien, glücklich
gemeisterte Verfolgungen durch Piraten, Stürme, Skorbut, eine Art Pest, welche die Mannschaft
auf eine Handvoll Matrosen dezimiert undsoweiter. Schließlich strandet Popple mit seiner
geliebten Rosamund auf einer paradiesischen Insel. Der englische Philosoph widmet sich ganz seinen
Züchungen und der Kontrolle seines inzestuösen Triebs, die Tochter mutiert zur
possierlichen Hausfrau. Sie blickte ihn an, leer, einen säuerlichen Ausdruck im Gesicht, die Milch ihrer Wangen geronnen, die dicken Locken wie ein Helm aus Stroh. Ihre grauen Augen starr und ein wenig feucht. Wenn dieser Pathos, diese Aneinanderreihung von Gemeinplätzen, diese Adjektivkaskaden eine "postmoderne Mischung" sein soll, wie der Klappentext verspricht, so war Hedwig Courths-Mahler die erste wahrhaft postmoderne Autorin, und Nicolas Jose ist ihr legitimer Enkel.
© Matthias Kehle
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