Elfriede Jelinek

Das Lebewohl. Drei kleine Dramen.

Berühmt müßte man sein! Etwa so berühmt wie Elfriede Jelinek, denn dann könnte man schreiben, was man wollte, die Verlage druckten es. "Das Lebewohl" ist ein schmales Bändchen, das drei kleine Dramen enthält. Angeblich, denn genau betrachtet sind zwei davon geschwätzige Monologe. Das Titelstück ist ein Monolog des Jörg Haider, der als Landeshauptmann in sein Bundesland zurückkehrt, eine Montage aus Aischylos' Orestie, Politikergeschwafel und sonstigen Klischees. Haider schwadroniert gegen die Presse, die "Tugendterroristen", die "abscheulichen, (aber Gott sei Dank!) einmaligen Verbrechen. So was wirds nie wieder geben." Vermutlich wollte Frau Jelinek einen braun gebrannten Dummkopf mit provinziellem Größenwahn bloßstellen, doch sie bleibt zu sehr am Tagesgeschehen, so dass dieses manirierte Stück mit seinen paar Gags wohl bald mit Herrn Haider in Vergessenheit geraten wird.
Der Dialog zwischen Dornröschen (= österreich) und dem Prinzen (man errät schnell: Jörg Haider), der das schlummernde Land wachküsst, läßt wenigstens Spielraum für des Lesers oder Publikums Phantasie. "Der Tod und das Mädchen" ist mehr als ein politisches Miniaturstück, doch das Ende wirkt platt und zu sehr gewollt: Der Prinz zieht ein Karnickel-Kostüm aus Plüsch an und rammelt mit Dornröschen drauf los.
Ein 62-Seiten-Büchlein will gefüllt sein, und wenn einem Autor nichts mehr einfällt, dann schreibt er übers Schreiben, auch wenn er damit seine Leser langweilt. Und wenn der Autor resp. die Autorin dann auch noch einen solchen banalen Schmarrn schreibt wie Jelinek in "Das Schweigen":

Mein Werk über Schumann wird das einzig mögliche sein. Es wird das einzige bleiben. Es wird das Bleibende bleiben",

dann hofft man, dass Jelinek den darauf folgenden Satz wahr macht: "Und dann sage ich lange nichts mehr."

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Elfriede Jelinek. Das Lebewohl. Drei kleine Dramen.
Bestseller. Berlin Verlag,
ISBN: 3-827-00390-3

© Matthias Kehle

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