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Edmond Music ist ein alter, ungläubiger Jude. Das wäre nicht weiter schlimm, wäre
er nicht katholischer Priester und Rektor in einem kirchlichen Forschungsinstitut. Dass er Jude und
ungläubig ist, wissen nur wenige, noch weniger wissen, dass er mit seiner Haushälterin
Maude Moriarty Zeit seines Lebens ein leidenschaftliches Verhältnis pflegte. Dass Maude in
ihrer Sturm-und-Drang-Zeit wegen einer angeblichen Schwangerschaft als finanzielle Vorsorge ein
äußerst wertvolles Buch aus der Bibliothek von Beal Hall versetzt hat, weiß nur
Edmond.
Alan Isler hat mit "Klerikale Irrtümer" eine wunderbare Satire auf die
Gepflogenheiten des katholischen Glaubens geschrieben, welcher Sinnlichkeit und Lebenslust so sehr
verneint. Mit Edmond Music hat er einen teils tollpatschigen, teils durchtriebenen Priester
erfunden, der als Greis sehr geschwätzig, aber hoch gebildet, erzählt, welche
Dreistigkeiten er sich erlaubt hat und welche Verwicklungen sich nun dadurch ergeben. Sein
Lieblingsfeind Twombly hat nämlich Wind bekommen von dem verschwundenen Buch und fängt an
zu recherchieren, um ihm, Music, das Handwerk zu legen. Music wiederum berichtet süffisant,
dass es sich bei dem angeblichen Shakespeare um eine Fälschung handelt, wie er bei seinen
langwierigen kabbalistischen Studien herausgefunden hat. Am Ende des Romans stehen alle vor einem
Scherbenhaufen. Music, den die tief gläubig gewordene Maude verlassen hat, ein greiser
Antiquar, der in einem russischen Gefängnis landet und Twombly, der wahnsinnig wird.
So unterhaltsam "Klerikale Irrtümer" auch ist, so sehr prunkt der Roman mit Zitaten
und Anspielungen. Und so sehr sich Music über die Unsinnigkeiten des christlichen Glaubens
lustig macht, so gottverlassen, melancholisch und einsam steht er am Ende seines Lebens da.^
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Isler Alan. Klerikale Irrtümer
Roman. Berlin Verlag, Berlin. 368 Seiten. 19.90 EUR .
ISBN: 3-8270-0383-0
© Matthias Kehle

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