Harald Hurst

So e Glück

Thaddäus-Troll-Preisträger Harald Hurst hat ein neues Buch geschrieben, doch er bleibt bei seinem altbewährten Strickmuster von Geschichten und Gedichten in badischer Mundart. Wieder präsentiert er urkomische Slapstick-Satiren ("Der mit de Wurscht") und die seltsamen Kleinigkeiten, die der Alltag mit sich bringt, etwa bei der Mülltrennung oder beim "Chinesefondue", einer ganz speziellen Art von Festen bei mittlerweile gesetzten und betuchten Freunden, bei den sogenannten "runden" Geburtstagen. Hurst amüsiert sich über die "Feine Leut", und beim "badische Toleranzfrühschoppe" wird viel getrunken und ebensoviel schwadroniert über Toleranz und überfremdung.
Wer bei den anderen Büchern von Hurst schon herzhaft gelacht hat, wird bei seinen neuen literarischen Kabarettstückchen sicher noch mehr lachen. Es finden sich aber auch nachdenkliche Texte, beispielsweise seine detailverliebten zweisprachigen Liebeserklärungen ans Elsaß. "Wenn mer so rumsteht", ein Gedicht für seinen verstorbenen Schriftstellerfreund Peter Lober, offenbart, daß Hurst allmählich ins Nachdenken gerät über seine merkwürdige Popularität. Ausgerechnet bei Lobers Beerdigung mußte er zu einem Fernsehtermin: Als

Wörterclown und Lachpoet /
in de Provinz rumhopfe /
vor jedem Hasebockerpublikum /
sei allseits so beliebtes /
Mundartdichterfürzle lasse /
sein mittelscharfe Senf /
in jedem Kneipesaal vertropfe
.

Harald Hursts neues Buch ist zweifellos eines seiner besten, es zeigt einmal mehr, daß Mundart-Literatur nicht unbedingt gleichzusetzen ist mit Volkstümelei. Wann aber wird sich Hurst darauf besinnen, daß er mehr kann?

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Harald Hurst. So e Glück
Gedichte und Geschichten. G. Braun, 144 Seiten.
ISBN: 3-765-08161-2

© Matthias Kehle

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