Harald Hurst |
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Ich bin so frei |
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Was in Karlsruhe an Literatur produziert wird, ist oft recht bescheiden, bieder und vor allem
todernst. Aber Gott sei Dank gibt es Harald Hurst, und Gott sei Dank hat der Verlag G. Braun den
"Klassiker" Ich bin so frei stark erweitert neu aufgelegt. esoterischer Frauenzirkel Neben einigen schriftdeutschen Texten aber enthält der 80 Seiten umfassende Band vor allem Gedichte in badischer Mundart, für die Hurst bekannt geworden ist, zumal er wohl der einzige badische Mundartautor ist, bei dem der Dialekt nicht zum Volkstümlichen verkommen ist, sondern als "kritisches Sprachinstrument" eingesetzt ist. Mit seiner Deftigkeit, seinen übertreibungen und Eigenheiten ist der Dialekt ohnehin besser geeignet, bestimmmte Sachbuchverhalte auf den Punkt zu bringen. Weshalb aber, fragt man sich, kaufen tausende Badener aller Alters- und Bildungsschichten die Bücher Hursts? Er tritt dem Proleten genauso auf den Schlips, wie dem braven Klein- und/oder Bildungsbürger oder eben jenen in obenstehendem Gedicht gemeinten. Vielleicht deshalb, weil Harald Hurst einer von ihnen ist, d.h. einer von uns allen. Weil er kein "esoterischer" Künstler ist oder sein will, der sich verkrampft von allem Gewöhnlichen abnabeln will, sondern weil er wie jeder andere gerne in der Kneipe sitzt oder bescheiden Camping-Urlaub macht in Südfrankreich, wenn er nicht in seiner kleinen Bude oder bei seiner Freundin hockt. Oder, wie es ein Rezensentenkollege formuliert hat: weil ihm der einzelne Mensch mehr am Herzen liegt als die ganze Menschheit, weil er nicht nach den Sternen, sondern lieber zum Weinglas greift. Wenn man über die Hurst'schen Figuren lacht, dann lacht man über den, der neben einem sitzt, und gelegentlich merkt man, daß man es selbst ist, der daneben sitzt. Und - was man nicht vergessen sollte - Hursts Texte versprühen jene Lebensfreude, die die meisten seiner Leser verloren haben.
© Matthias Kehle
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