Harald Hurst

 

Fuffzich. Komödie


Es ist ein gut situiertes Milieu, in dem die Vorspeisen französische Namen tragen und der Gewürztraminer würdevoll dekantiert wird. Dagmar und Eberhard, seit vielen Jahren ein Paar, sitzen beim Abendessen und diskutieren seinen bevorstehenden 50. Geburtstag. Eberhard will nichts machen, "abhaue, fortfahre" - er ist in einer Sinnkrise. Die anfänglichen kleinen Sticheleien ("Wann isch denn Dei Kreuzfeld-Jakob-Esse fertig?") eskalieren zu einem handfesten Streit über alles, was in einer langjährigen Beziehung heilig oder das Gegenteil davon ist: ihre Eltern, die Freunde, der Sex und schließlich die Seitensprünge. Harald Hurst, populärster Autor badischer Autor, mehr Milieu- als Heimatdichter, hat ein Theaterstück geschrieben, das im Karlsruher Sandkorn-Theater ein Riesenerfolg war. Sein Verlag hat das Stück zum Weihnachtsgeschäft 2001 als Buch veröffentlicht. Wie in Hursts Geschichten und Gedichten ist es der Alltag, in dem sich die großen Trägödien abspielen, die eigentlich Komödien sind. Ein Mann, eine Frau - für die erste Hälfte des Stückes "Fuffzich" genügt Hurst diese Konstellation für fulminante Rede-Duelle: "Freunde einleiden, sich revanchieren? Des klingt nach Krieg, nach Vergeltungsschlag", kontert Eberhard ihre Versuche, ihn zu einer Fete zu bewegen. Die fein beobachteten Spitzfindigkeiten verdichtet Hurst zu bitteren, mitunter zynischen Pointen - beide kriegen ihr Fett weg. Eberhard leidet unter Dagmar, Dagmar unter Eberhard. Komödie oder Schwank? In der zweiten Hälfte kippt das Stück leider. Dagmars Geliebter Edgar betritt nämlich die Szene. Dagmar und er wollen Eberhard nämlich über ihr junges Glück aufklären, was bedauerlicherweise mit viel Klamauk und Action geschieht und für Edgar mit einer blutigen Nase endet. Es ist Volkstheater, was Hurst geschrieben hat, so viel ist klar. Mehr wollte er auch gar nicht. Wahrscheinlich sind jedoch die Zeiten vorbei, in dem ihm wunderbar lakonisch-melancholische Gedichte und Geschichten gelingen, die auch noch urkomisch sind, wie in seinem besten Buch "Ich bin so frei".

Harald Hurst: Fuffzich, Komödie. Verlag G. Braun, Karlsruhe 2001, 64 Seiten, 22 Mark,
ISBN 3-7650-8276-7.

© Matthias Kehle

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