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Harald Hurst
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Komm, geh fort
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Fünf Jahre hat er sich Zeit gelassen, nun also ist er da: Der neue Hurst. "Komm, geh
fort" heißt das neue Buch des populärsten Dichters badischer Zunge. Um es vorweg zu
nehmen: Es ist eines seiner besten. Viele neue Themen hat Harald Hurst allerdings nicht zu bieten.
Er variiert eher Altbekanntes aus dem "richtigen" Leben. Das sind etwa die
Ausgehvorbereitungen eines Paares. Er will nicht zur Geburtstagsfete bei s'Bratzlers, sie
unbedingt. Am Ende ist sie geschminkt und er hat die Hosen an, die ein wenig eng sind. Viel
gestritten wird, bis es soweit ist und viel über's Leben räsoniert. Auch bei einer
anderen Geschichte gehts um's Feiern. Es ist die Generation der 68er, die nun allmählich
alt wird. Dennoch packt der Benni "sei alte Klampf aus'm Auto" und spielt "von
'House of the Rising Sun' bis 'Heute hier, morgen dort' halt so Lieder aus unserer
Generation, die mer immer widder höre könne muss." Hursts Blick auf die badischen
Landsleute ist unerbittlich, aber liebevoll und voll launischer Bonmots, die der Badener schon von
seinen Großeltern kennt: "Es gibt Leut, die schwätze nur, dass d' Labb
wackelt."
In seinen leiseren melancholischen Texten ist Hurst am stärksten. Immer öfter spielt der
Tod in Hursts Gedichten und Geschichten mit. In "Nachruf für'n Komödiant"
stehen folgende Zeilen: "... so, jetzt isch er unne/ in sei'm Wurzelhaus/ Erdbrocke falle
uff's Dach/ la farce est jouée/ de Schwank isch aus// d'Platt geputzt/ nix zu
vererbe/ drei Fraue am Grab/ g'lebt bis zum Schluss/ alles verlebt/ so lasst sich's
sterbe// adieu - adscheh/ Komödiant."
Ein bisschen oft zieht der badische Großdichter die schwäbischen Landsleute durch den
Kakao. Das scheint ihm bewusst zu sein, denn in dem einzigen hochdeutschen Text analysiert er die
gar nicht so großen Unterschiede zwischen den beiden Stämmen brillant und in ganz
anderem Tonfall: "Der Badener braucht seinen Modellschwaben, um ex negativo Auskunft zu geben,
wer er sei."
Diesmal also lohnt der neue Hurst, und so werden dieses Jahr wieder tausende Fans am
Weihnachtstisch sitzen und Erlebnisse vorlesen, die sie selbst schon so oder ganz ähnlich
erlebt haben - in der Straßenbahn, beim Rabatt schinden, bei der schwierigen Wahl des
richtigen Restaurants oder im Zoo "Bei de Affe".
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Harald Hurst: Komm, geh fort. Gedichte und Geschichten.
160 Seiten. G. Braun Buchverlag, 13,80 Euro.
ISBN 3-7650-8278-3
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