Franz Hohler

Der Rand von Ostermundingen

Die deutschsprachige Literatur der Nachkriegszeit hat eine Tradition grotesker, surrealer Erzählungen entwickelt, die im banalen Alltag ihren Ausgang nehmen, um diesen mit absonderlichen Ereignissen ad absurdum zu führen. Wolfang Hildesheimers "Lieblose Legenden" gehören ebenso in diese Tradition wie Heinrich Bölls Sammlung "Nicht nur zur Weihnachtszeit."
Franz Hohler lebt als Kabarettist und Schriftsteller in Zürich. Sein schmaler Geschichtenband "Der Rand von Ostermundingen" gehören zu den besten ihrer Art. Da ist die Stimme, die plötzlich überall auftaucht und den Satz sagt "Das ist der Rand von Ostermundingen", erst bei vereinzelten Telefonaten, dann in Radio- und Fernsehsenungen, schließlich bei jeder Gelegenheit oder aber der kleine Mückenstich, der immer größer und monströser wird und aus dem schließlich Pauken und Trompetenklänge dringen oder der Postverwalter eines kleinen Dorfes im Wallis, der versucht, der mongolischen Volksrepublik 25 Rappen Strafporto zukommen lassen, das auf einer Postkarte vermerkt war und er einzutreiben hatte.
Hohlers erzählt seine Geschichten regelrecht hartnäckig. Seine Einfälle führen konsequent von einem grotesken Höhepunkt zum nächsten. Die elf Erzählungen sind Märchen, die mit der Wirklichkeit so viel zu tun haben wie die Gemälde von Salvador Dalí.

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Franz Hohler. Der Rand von Ostermundingen
Kurzprosa. Luchterhand Literaturverlag, 100 Seiten.
ISBN: 3-472-61134-0

© Matthias Kehle

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