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Der Karlsruher Bernd Hettlage, Jahrgang 1960, hat sein erstes Buch veröffentlicht. Die
zwölf Erzählungen überraschen durch ihre außerordentliche Qualität, was
bei einem Debut nicht immer der Fall ist.
Fast ausschließlich handelt es sich um Geschichten aus dem Alltag, selten passiert etwas
Aufregendes, wenn sich auch im gewohnten Gang des Daseins stets Abgründe auftun oder seltsame
Dinge geschehen. Die Titelgeschichte "Wie ich Butterkönig wurde" etwa
erzählt, wie ein Jobber vor Weihnachten in einer Butterfabrik mit dem monotonen Abpacken von
Weihnachtsbutter seine desolate finanzielle Lage in Ordnung bringen möchte. Aus Langeweile
verfällt er auf die Idee, ein 25 Kilo-Stück Butter zu entwenden. Das gelingt ihm mit
Hilfe eines Kollegen auch fast, der Brocken befindet sich bereits außerhalb der Fabrikhalle.
Nur, als die Beiden nachts völlig bekifft den Brocken abholen wollen, setzen sie ihr Auto in
den Graben. Die Geschichte ist beiläufig und unspektakulär erzählt - so und nicht
anders ist nun mal der Alltag. übrigens wird in Hettlages Erzählungen reichlich getrunken
und gekifft, bisweilen erinnern seine Texte ein klein wenig an den "Social Beat". Immer
wieder spielen gescheiterte oder verhinderte Liebesbeziehungen in den Erzählungen eine Rolle,
auch in jenen, die in Indien spielen. Hettlage, der oft und lange in Asien war, ist sich
erfreulicherweise bewußt, daß seine Figuren als Touristen unterwegs sind. Nie biedern
sie sich bei den Einheimischen an, nie nehmen sie richtig an ihrem Leben teil, auch wenn sie es
versuchen. Zwar übernimmt einer der Protagonisten für eine Weile das Geschäft eines
indischen Freundes und auch dessen täglichen religiösen Rituale, doch der Europäer
vergißt sie bald, ist er doch viel zu intensiv mit seiner Liebschaft Marja beschäftigt.
überhaupt sind Hettlages Figuren nur am Rande aus "spiritueller Selbstfindung" in
Indien - ein angenehmer Unterschied zu vielen Indien-Erzählungen, welche die Qualitäten
fernöstlicher Religion anpreisen.
Mitunter vergreift sich Hettlage an Klischees und Trivialitäten ("Ihre Lippen waren
rotgeschminkt, ihr Mund wie eine offene Wunde"), aber das geschieht, Gott sei Dank, nur
gelegentlich. Hettlage hat ein bemerkenswertes, unprätentiöses Debut abgeliefert. Das
passiert selten.
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Bernd Hettlage. Wie ich Butterkönig wurde
Kurzprosa. Alkyon, 132 Seiten.
ISBN: 3-926-54154-7
© Matthias Kehle
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