Peter Henning |
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Tod eines Eisvogels |
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Wer in den letzten Jahren Debuts junger deutscher Autoren zur Kenntnis genommen hat, bemerkt bald, daß sie häufig zwei Eigenschaften haben: Viele verarbeiten die Kindheit des Erzählers oder sind Roadmovies. Peter Hennings Debut "Tod eines Eisvogels" vereint beides. Der Protagonist entführt seine schizophrene Schwester Leni aus der psychiatrischen Anstalt und fährt mit ihr nach Holland an jene Orte, wo sie in ihrer Kindheit und Jugend glückliche Tage verbracht hat. In einer raffinierten Schnittechnik wird dabei immer wieder die tragische Familiengeschichte eingeblendet. Die älteste Schwester flieht aus der verlogenen kleinbürgerlichen Idylle ihrer Familie nach Schweden, um Nonne zu werden, später begeht sie Selbstmord - die Flucht in den christlichen Glauben ist ihr nicht gelungen. Der Vater verfault buchstäblich an seinem Raucherbein. Auch der Onkel, der Liebhaber der verwitweten Mutter wird, stirbt. Der Erzähler, der übrigens ohne Namen ist, hat sich dagegen eine kleine Existenz als Schuhmacher aufgebaut. Er besucht Leni regelmäßig in der Anstalt, während die Mutter im Altenheim ihr verpasstes und vor allem verdrängtes Leben nachholt und mit einigen alten Damen regelrecht "aufblüht". Was für seine Mutter charakteristisch ist, gilt auch für die anderen Familienmitglieder: Sie hatte ihr Leben lang vor allem Angst gehabt und bis zuletzt eine eingeübte Selbstsicherheit an den Tag gelegt, hinter der sie sich meine ganze Kindheit und Jugend über versteckt hielt.
© Matthias Kehle
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