Dreibaum irrt leicht verletzt durch Bellinzona, seine Frau Erika liegt im Krankenhaus im Koma.
Viel mehr passiert nicht in Martin Gülichs schmalem Roman "Bellinzona, Nacht". Das
Ehepaar hatte auf dem Weg in den Urlaub in einem der elend langen Schweizer Tunnels einen
Autounfall. Das Bangen um Erika stürzt Dreibaum in eine Krise. Der Mittdreißiger
zweifelt an der Treue seiner Frau, verliert in der Kleinstadt die Orientierung, landet in einer
Nachbar und erinnert sich immer wieder an seine Kindheit, die nur oberflächlich besehen
glücklich war, wobei nicht einmal klar ist, dass es Dreibaums Kindheit ist, die erzählt
wird.
Knapp und präzise ist die Sprache des Freiburger Autos, so als wolle er lakonisch
protokollieren, was in und mit Dreibaum geschieht. Spannung will freilich nicht so recht aufkommen,
schließlich erzählt Gülich "Bagatellen", auch wenn sie noch so dramatisch
und dennoch beiläufig ins Leben einbrechen. Der Roman endet, wie er beginnt: Mitten im Leben.
Ob Erika genesen wird, läßt Gülich offen. "Bagatellen" ist übrigens
der Titel eines weiteren Buches des Thaddäus-Troll-Preisträgers mit kürzesten
Prosa-Stücken.
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Martin Gülich. Bellinzona, Nacht.
Roman, 125 Seiten, zu Klampen-Verlag, Lüneburg 2001.
ISBN 3-933156-58-0