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Robert Mehlmann ist Mitte Dreißig und auf dem absteigenden Ast. Die Bücher
des Schriftstellers werden verramscht, und neue Ideen sind weit und breit nicht in Sicht.
Also lebt Mehlmann drauf los und zieht mit einer Geliebten durch teure Restaurants und
Spielcasinos, während seine Frau im fernen Europa an einem Kongress über Träume
teilnimmt. Die Psychotherapeutin leidet nicht nur unter ihrem Mann, sondern auch an ihren
Patienten, die sich hin und wieder erdreisten, Selbstmord zu begehen.
Diese Kurzfassung des neuen Romans von Arnon Grünberg mag nicht sonderlich aufregend klingen,
doch dahinter verbirgt sich ein witziges, temporeiches und zugleich melancholisches
Psychogramm des Hedonisten Mehlmann, der sich immer tiefer in Schulden und in
Abhängigkeit von seinen insgesamt drei Frauen stürzt. Bis nach dem Absturz der jähe
Aufstieg erfolgt: Mehlmann wird dank eines literarischen Kochbuchs zum Weltstar. Was bleibt, ist
Mehlmanns "Hunger nach Vergessen, Hunger nach Betäubung..., Hunger danach, endlich im
Jetzt zu leben". Als Mehlmann endgültig scheitert, beginnt er, sich zu entledigen: Erst
von seinen beiden Geliebten, dann von seiner Ehefrau, schließlich von seinem eigenen
Ich.
Der 32-jährige Arnon Grünberg hat das Porträt eines
Unersättlichen geschrieben, dessen Paradoxon es ist, nichts mehr erleben zu
können, weil er zu viel erlebt. Trotz allen Wahnwitzes ist "Phantomschmerz" ein
heiterer, manchmal aber auch geschwätziger Roman, denn Mehlman wirft mit Lebensweisheiten
gerade so um sich. Manchmal will man dem Autor seine Figuren, zuvorderst den Protagonisten, nicht
so recht abnehmen, wohl weil sie in ihrer Geschwätzigkeit seltsam blass bleiben.
Arnon Grünberg: Phantomschmerz.
Roman. Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten. Diogenes-Verlag, Zürich, 384 Seiten, 22,90 Euro
ISBN 3-257-86101-x
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© Matthias Kehle
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