Roger Graf |
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Tanz an der Limmat |
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Marco Biondi liebt die Frauen, den Alkohol, und als Drehbuchautor ist er ständig auf der Suche nach spannenden Stories. Nach dem Mord an Kobel, einem notorischen Bordellbesucher, setzt er eine Anzeige in die Zeitung, mittels der er Informationen gewinnen will. Prompt meldet sich die schöne Sandra, die ihm die merkwürdige Geschichte von ihrer vor über zwanzig Jahren verschwundenen Mutter Helen erzählt. Diese hat nämlich ihrer Tochter von einen Notar Tagebücher und Briefe verwahren und nach zwanzig Jahren überreichen lassen. Während Sandra ihre Mutter zur Heldin stilisiert, die in den bolivianischen Freiheitskampf gezogen ist und ermordet wurde, entdeckt Biondi, daß Helen alles andere als aus edlen Gründen entfleuchte - sie war eine drogenabhängige Nutte und von ihrer Mutterrolle überfordert. Roger Graf wurde als Autor der furiosen Hörspielserie "Die haarsträubenden Fälle des Philip Maloney" bekannt, und so verwundert es nicht, daß in diesem zweiten Marco-Biondi-Roman höchst eigenartige Gestalten auftauchen. Gescheiterte Künstler, die mit Selbstangebautem ihre Lunge malträtieren, schwule Kellner oder eine ungeheuer voluminöse Alt-Nutte mit Beschützerinstinkt. Schließlich ist da noch der von Helen verlassene Ehemann, der sich selbst ein rätselhaftes Computerprogramm schreibt, das den Freizeitdetektiven Biondi narrt. Während Biondis Recherchen setzt sich ein facettenreiches Bild von Helen zusammen. Doch nicht nur das. Biondi findet Parallelen zu seinem eigenen Leben. Die Schwester seiner Lebenspartnerin Melanie ist ebenfalls seit Jahren verschollen, und Helen hat in den siebziger Jahren genauso an der Limmat und im Drogenrausch getanzt, wie Biondis am Heroin zugrunde gegangene Geliebte Laura. Marco Biondi ist kein Detektiv und auch kein Antidetektiv. Er schlittert aus Neugier in seinen Fall hinein. Merkwürdigerweise vertrauen ihm alle, die mit Helen zu tun hatten, ihr Intimstes an. Auch wenn man den Täter recht schnell errät, versteht es Roger Graf immer wieder, falsche Fährten zu legen. "Tanz an der Limmat" ist schnell geschnitten und ironisch und spannend erzählt wie eine gelungene Tatort-Folge. Bis es dahin kommt und man fingernägelkauend vor dem Fernseher sitzt, verschlingt man den Roman am besten im Bett liegend, und zwar an einem verregneten Sonntagnachmittag.
© Matthias Kehle |
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