Arno Geiger

Irrlichterloh

Jonas, ein waschechter Taugenichts der  90er-Jahre, rennt nachts durch die Stadt und besprüht Verkehrsschilder, immer auf der Flucht vor der Polizei, immer auf Hundertachtzig. Jonas rennt und rennt, und gegen Morgen fällt er neben seiner Freundin Ann-Kathrin todmüde ins Bett. Eines Morgens jedoch ist Ann-Kathrin verschwunden und mit ihr "Das rauchende Mädchen", ein Gemälde aus der gemeinsamen Wohnung. Von nun an beginnt eine temporeiche Jagd; jeder ist hinter jedem her. Jonas hinter Ann-Kathrin, Ira Konstantin, eine millionenschwere Galeristin, hinter dem vermeintlich wertvollen Bild, Jonas' Chef hinter Ann-Kathrin usw. Was ganz amüsant als Road-Movie beginnt - Jonas klaut einem Hochzeitspaar vor der Kirche das Motorrad, um seinen Chef zu jagen, der mit Ann-Kathrin unterwegs zum Meer ist - verebbt nach der Hälfte des Buches, da sich die Effekte abnutzen: Das Spiel mit Klischees, z.B. wie junge Erwachsene durchs Leben und die Liebe irrlichtern (sie hausen beispielsweise in ausrangierten Bussen), Klischees wie eine Motorradjagd durch die Großstadt und durch eine staubtrockene Landschaft, während die Sonne Jonas ein Muster durch den Schlüpfer brennt, mit dem er seine Hände schützen will - die Zigarettenwerbung läßt grüßen. Bei 120 Sachbuchen führt Jonas außerdem umständliche Dialoge in gedrechselter Sprache, und zwar mit einer Tramperin, die im Beiwagen mitfährt und natürlich sogleich hinter Jonas her ist.
Der Roman "Irrlichterloh" des 1968 geborenen Arno Geiger versucht wieder einmal, das Erwachsenwerden neu zu erzählen und gleichzeitig zu zeigen, wie das heutzutage vor sich geht. Das Leben der jungen Erwachsenen scheint hektisch und voller Klischees, ihre Sprache und Wahrnehmung umständlich zu sein. Mal gelingen Geiger wunderbare Beobachtungen (Caspar "öffnet einer Semmel den Stern, ißt ihr das Weiche heraus"), mal vergreift er sich ziemlich ("Schmerzhafte Grelle"). Arno Geiger hat mit "Irrlichterloh" wohl etwas zu krampfhaft versucht, einen Roman zu schreiben, nach dem der Buchmarkt giert.

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Arno Geiger. Irrlichterloh
Roman. Carl Hanser Verlag, 198 Seiten. 27.00 DM .
ISBN: 3-446-19779-6

© Matthias Kehle

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