Arno Geiger |
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Irrlichterloh |
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Jonas, ein waschechter Taugenichts der 90er-Jahre, rennt nachts durch die Stadt und
besprüht Verkehrsschilder, immer auf der Flucht vor der Polizei, immer auf Hundertachtzig.
Jonas rennt und rennt, und gegen Morgen fällt er neben seiner Freundin Ann-Kathrin
todmüde ins Bett. Eines Morgens jedoch ist Ann-Kathrin verschwunden und mit ihr "Das
rauchende Mädchen", ein Gemälde aus der gemeinsamen Wohnung. Von nun an beginnt
eine temporeiche Jagd; jeder ist hinter jedem her. Jonas hinter Ann-Kathrin, Ira Konstantin, eine
millionenschwere Galeristin, hinter dem vermeintlich wertvollen Bild, Jonas' Chef hinter
Ann-Kathrin usw. Was ganz amüsant als Road-Movie beginnt - Jonas klaut einem Hochzeitspaar vor
der Kirche das Motorrad, um seinen Chef zu jagen, der mit Ann-Kathrin unterwegs zum Meer ist -
verebbt nach der Hälfte des Buches, da sich die Effekte abnutzen: Das Spiel mit Klischees,
z.B. wie junge Erwachsene durchs Leben und die Liebe irrlichtern (sie hausen beispielsweise in
ausrangierten Bussen), Klischees wie eine Motorradjagd durch die Großstadt und durch eine
staubtrockene Landschaft, während die Sonne Jonas ein Muster durch den Schlüpfer brennt,
mit dem er seine Hände schützen will - die Zigarettenwerbung läßt
grüßen. Bei 120 Sachbuchen führt Jonas außerdem umständliche Dialoge in
gedrechselter Sprache, und zwar mit einer Tramperin, die im Beiwagen mitfährt und
natürlich sogleich hinter Jonas her ist.
© Matthias Kehle |
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