|
| |
Big Dan Paradiso ist Schrotthändler. Er lebt mit seiner Familie im italienischen Viertel
einer amerikanischen Kleinstadt. Für seinen 12-jährigen Sohn Nunzio soll die unbeschwerte
Kindheit nun ein Ende haben, denn ab dem bevorstehenden Sommer wird er im Betrieb mithelfen. Schon
beim ersten Wagen, den Big Dan und seine beiden Söhne ohne Kennzeichen am Straßenrand
auflesen, passiert es: Nunzio findet im Kofferraum eine männliche Leiche. Mehr noch: Der Wagen
landet mitsamt dem Körper in der Schrottpresse, noch bevor Nunzio jemandem den Fund zeigen
kann.
John Fusco ist Autor mehrerer Hollywood-Filme, und auch sein Roman "Das Gesetz der
Familie" drängt sich für eine Verfilmung geradezu auf. Der überaus spannende
Roman enthält alle Klischees bzw. Qualitäten, die den Leser/ Zuschauer zum Nägel
kauen verleiten. Da sind die Mafiastrukturen, welche sich über die Kleinstadt ausbreiten, und
naiv wie die beiden Jungen sind, hoffen sie, diese zu knacken. Es sind düstere Gestalten, die
da mitmischen, aber auch eine schöne Frau, die Nunzios Bruder beschützen soll, sowie ein
aus der Familie Paradiso verstoßener Onkel namens Ange, der im Rollstuhl sitzt und
früher Cop war. Natürlich gibt es auch wilde Verfolgungsjagden in großen Schlitten,
die nicht nur glimpflich, sondern auch komisch enden. Leider ist es jedoch so typisch amerikanisch:
Die Guten sind hier, die Bösen da, und beide erkennt man sofort.
Also eine typische Hollywood-Schwarte? Nicht unbedingt, denn Fusco ist ein gewiefter Erzähler,
der zwar geschickt mit Spannung und schnellen Schnitten arbeitet, aber auch liebevoll Details aus
dem Alltag im "kleinen Stiefel" berichtet. Nunzio und seinen scheinbar etwas
unterbelichteten Bruder macht Fusco zu großen Helden. Er lässt außerdem wundersam
schräge Typen auftreten, etwa den Großvater, der mit seinen skurrilen Erfindungen, die
er aus dem Schrott zusammenbastelt, maßgeblich zu einem Happy End beiträgt.
John Fusco: Das Gesetz der Familie. Roman. Übersetzt von Eike Schönfeld. Verlag Nagel & Kimche, 446 Seiten, 24,90 Euro. ISBN 3-312-00309-1
© Matthias Kehle
>
|
|
|