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Er ist einer der wenigen zeitgenössische Dichter, die in origineller Weise von Liebe
sprechen können: Der Karlsruher Lyriker Walter Helmut Fritz, Jahrgang 1929. Ihm sind
vollendete, warmherzige und zugleich verhaltene Zeilen gelungen wie diese:
Weil du die Tage/
zu Schiffen machst,/
die ihre Richtung kennen.// ...
Weil ein Jahr/
die Form deines Gesichts annimmt.//
Weil ich durch dich verstehe,/
daß es Anwesenheit gibt,//
liebe ich dich."
Die Liebe, die Fritz beschreibt, ist eine Liebe, die eingehalten wird, in der sich zwei Menschen um
Gemeinsamkeit bemühen. Dennoch:
Dein Mund innen -/
Geflüster, Schauer, Jahre,/
die darin eingefleischt sind.
Die Abgründe und Bedrohungen sind implizit und stets anwesend:
Ein Fest, dich wiederzusehen/
und nachher ein Teil zu werden/
der Dunkelheit, wahrzunehmen,/
welche Lektion sie uns gibt.
Der - ebenfalls aus Karlsruhe stammende - Literaturwissenschaftler Matthias Kußmann hat nun
die Liebesgedichte von Fritz in einem schön gestalteten Band versammelt. Vom ersten schmalen
Gedichtband an, der 1956 erschien, hat Fritz die Liebe thematisiert - Kußmann hat Texte aus
den Jahren 1958 bis 2002 ausgewählt. Er weist in seinem kenntnisreichen Nachwort darauf hin,
dass Fritz' Denken dem "mittelmeerischen Denken" von Albert Camus verwandt ist:
"In dessen von Mittag, Licht, Meer und mediterranen Landschaften geprägten (...) Texten
wird (...) die Absurdität einer immer schon zeitlichen Existenz ausgehalten." Vielleicht
sind Walter Helmut Fritz gerade deshalb vielfach subtile Bilder von ergreifender Schönheit
gelungen, die ihn in der Beharrlichkeit seines eigenen Tonfalls zu einem der bedeutendsten
deutschsprachigen Autoren der Nachkriegszeit gemacht haben.
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Walter Helmut Fritz. Die Liebesgedichte
Lyrik. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt. 128 Seiten. 19.90 EUR .
ISBN: 3-534-16926-3
© Matthias Kehle
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