Umberto Eco |
||||||||
Das Foucaultsche Pendel |
||||||||
|
"Seit die Menschen nicht mehr an Gott glauben, glauben sie nicht etwa an nichts mehr,
sondern an alles." "Die Begriffe verbinden sich per Analogie,... denn wenn man Zusammenhänge finden
will, findet man immer welche, Zusammenhänge zwischen allem und jedem, die Welt explodiert zu
einem wirbelnden Netz von Verwandtschaften, in dem alles auf alles verweist und alles alles
erklärt." Was ist der "Große Plan" des Romans denn anderes als das "Erhabene", das nicht Darstellbare, aber Vorstellbare bei Lyotard? Die Idee vom unbeweglichen Punkt im Universum, an dem das Pendel aufgehängt ist? Oder jenes mystische Zentrum Agarttha? Den Verlust der "Großen Erzählungen" beklagt Eco nicht mehr. Vielmehr nutzt er die Möglichkeiten der Texte und erzählt mit den alten, großen Erzählungen neue Geschichten, Stories. Versucht Eco nicht auch, das narrative Wissen mit dem wissenschaftlichen zu verknüpfen, und
ist es nicht zum Scheitern verurteilt, wie jeder Vereinheitlichungsversuch, schließlich
werden sowohl Belpo als auch Casaubon verrückt? Schwindet sie nicht, die empirische
Wirklichkeit? Zerstört Eco nicht den falschen Schein, der "im Glauben an höhere
Ursprünge und Zwecke, an eine Teleologie des Weltablaufs besteht, und (läßt er
nicht) die empirische Welt als eine prinzipiell scheinhafte vor uns erstehen?" Eco parodiert die Denkweise der Hermeneutik (Okkultismus, Voodoo etc.) durch raffinierte scheinlogische Konstruktionen und wirft dabei alles durcheinander. Er gebiert sich radikal eklektizistisch. Das wäre gegen Lyotards Vorstellungen, aber der Eklektizismus, der herauskommt, erscheint so lächerlich wie Charles Moores Bau "Piazza d'Italia" in New Orleans. Das Ergebnis kann bei Ecos Denken nur als Parodie aufgefasst werden; die meisten Verrücktheiten des Romans sind schließlich hinterlistiges, intellektuelles Schelmentum! Warum aber erzählt Eco die Geschichte der Templer in Westernmanier oder als Comic-Strip
beim Whiskey in der Kneipe oder mit seiner Freundin im Bett? Etwa nur, um die nicht-Akademiker bei
der (Lese)Stange zu halten? Es ist problematisch, den gesamten Roman mittels postmoderner Termini zu hinterfragen, doch ist sicher: "Das Foucaultsche Pendel" ist ein geistsprühender Krimi, ganz gleich welchen Blödsinn in manchen Rezensionen zu lesen war.
© Matthias Kehle
|
|
|||||||