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Lyrik boomt. Diesen Eindruck muss man haben, wenn man die Zahl und
Qualität der Zeitschriften und Anthologien betrachtet, die in diesem Jahr erschienen sind.
Zwei der wichtigsten Herausgeber in diesem Genre sind Anton G. Leitner und
Theo Breuer - die beiden Persönlichkeiten könnten dabei
unterschiedlicher kaum sein. Leitner, Herausgeber der Zeitschrift "Das Gedicht", ist ein
lauter Trommler für Lyrik, ein cleverer Geschäftsmann, der schon mal
Dichter-Hitparaden veröffentlicht und die wichtigsten Dichter des Jahrhunderts wählen
läßt. Breuer hingegen ist der stille Lyrik-Besessene, ein Sammler und
Herausgeber bibliophiler Liebhaber-Objekte.
In diesem Sommer ist eine neue Ausgabe von "Das Gedicht" erschienen, die
Nummer 11 im 11. Jahrgang. Unter dem Motto "Pop und
Poesie" sortiert Leitner seine Autoren nach Jahrgang. Die älteste Autorin Lisa
Jobst ist Jahrgang 1920, die jüngste Nora Bossong, geboren 1982. Leitners Sammlung von
Gedichten zu diesem Thema ist heterogen. Die jungen Autoren versuchen sich mit poppigen Songs, oft
in gereimter und epigonaler Form, bei älteren hört man mehr sanft-ironische oder
bissig-satirische Töne. Die ergänzenden Essays (Anmerkungen beispielsweise zur deutschen
Pop-Lyrik oder zum Verhältnis von Bob Dylan und Bernd Meinunger) sind leider etwas kurz
geraten, dafür ist die teilkommentierte Bibliografie von neu erschienenen Gedichtbänden
nahezu vollständig und ein Muss für alle Lyrikfreunde.
Breuer, der das weniger bekannte "Faltblatt"
herausgibt, versucht ebenso, stets neue Namen zu entdecken, zuletzt war dies etwa Jan Volker
Röhnert. In seiner "Edition Ye" ist nun die Anthologie
"NordWestSüdOst" erschienen, die in alphabetischer Reihenfolge Breuers
radikal subjektive Auswahl vereinigt. Diese liest sich wie ein Who-is-who der
Gegenwartslyrik. Neben jüngeren Dichtern (u.a. Walle Sayer oder Marjana Gaponenko)
sind es Größen wie Hans Bender und Walter Helmut Fritz, die Breuer meist
unveröffentlichte Gedichte überlassen haben.
So unterschiedlich Leitner und Breuer sind: Beiden gemeinsam ist der unbedingte Wille, gute
und interessante Gedichte auszuwählen und dabei junge und ältere Autoren zu Wort kommen
zu lassen.
Das Gedicht Nr. 11: "Pop und Poesie".
Hg. von Anton G. Leitner. Anton G. Leitner-Verlag, 11,50 Euro. ISBN 3-929433-62-1
NordWestSüdOst. Gedichte von Zeitgenossen.
Hg. von Theo Breuer. Edition YE, 10 Euro, ISBN 3-87512-192-9
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© Matthias Kehle
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